American Airlines Stewardessen auf Crash-Kurs
Fort Worth - Es ist ein bisschen wie in Florida im Jahr 2000. Nur geht es diesmal nicht um die Wahl eines Präsidenten, sondern um das Überleben der größten Fluggesellschaft des Landes. Genauer gesagt müssen die Beschäftigten in Urabstimmungen einem Bündel an Tarifzugeständnissen zustimmen, mit denen ihnen bis zu einem Viertel ihrer Einkünfte und Leistungen verloren geht. Piloten und Bodenpersonal hatten jeweils mit knapper Mehrheit zugestimmt, nur bei den Flugbegleitern gab es Probleme.
Von den 19.151 abgegebenen Stimmen entfielen 9842 auf "Nein" - eine Mehrheit von 51 Prozent der Flugbegleiter lehnte also die Gehaltskürzungen ab. Wie bei der Präsidentenwahl 2000 bemühte man sich sofort nach der Wahl um Erklärungen: Die Flugbegleiter hätten Probleme mit dem Wahlvorgang gehabt und vielleicht irrtümlich mit "Nein" gestimmt. Außerdem hätten einige ihre Stimme noch gar nicht abgegeben. In der Hoffnung, das Ruder doch noch herumzureißen, verlängerte die Unternehmensführung die Frist noch einmal bis Mittwochabend.
An der Dramatik der Situation lässt Don Carty, Chef der American Mutter AMR, keinen Zweifel: "Dies ist die letzte Chance, die Insolvenz zu vermeiden", sagte er. Falls man es nicht schaffe, die Ratifizierung durch die Flugbegleiter zu sichern, gebe es bedauerlicherweise keine Alternative als einen sofortigen Insolvenzantrag. Seinen Worten zufolge würden bei einer Zahlungsunfähigkeit 10.000 Jobs sofort wegfallen, die Zukunft von 100.000 Mitarbeitern von American Airlines wäre ebenfalls akut gefährdet.
Mit dem Tarifkompromiss will American Airlines pro Jahr rund 1,8 Milliarden Dollar einsparen. Die Vereinbarung erstreckt sich auf sechs Jahre. Als Entschädigung für die Lohnausfälle sollen die Angestellten mehr Aktienoptionen erhalten.
In den vergangenen beiden Jahren haben sich bei der Konzernmutter AMR Verluste in Höhe von 5,8 Milliarden Dollar angehäuft, im ersten Quartal diesen Jahres soll Analysten zufolge noch eine Milliarde Dollar dazukommen. Sollte American Airlines tatsächlich Gläubigerschutz beantragen müssen, wäre dies die größte Insolvenz der Luftfahrtgeschichte. Außerdem wäre die US-Luftfahrtbranche damit praktisch enthauptet. Auch die zweitgrößte US-Fluggesellschaft United Airlines befindet sich bereits in einem Insolvenzverfahren.