Analyse Die total normale Deutsche Bank
Am Donnerstagmorgen nach den Zahlen zum dritten Quartal rutschten die Aktie zu Handelsbeginn nochmal um fünf Prozent ab und notierte bei mageren 41 Euro, gerade mal ein Drittel des für Enden nächsten Jahres angepeilten Zielwertes. Bis zum Mittag kam das Papier dann wieder auf Kurse um 44 Euro zurück. Auf dem Frankfurter Parkett macht sich Enttäuschung breit. Die Zahlen seien "nicht gut und unter den Erwartungen", sagt ein Händler. Christian Schmidt von der Helaba, formuliert es noch drastischer: "Die Zahlen der Deutschen Bank sind jenseits von Gut und Böse."
Was ist passiert? Bis Donnerstagfrüh hatten Analysten noch die Hoffnung, dass sich wenigstens der Branchenprimus weiter gegen den Sog der "schlimmsten Branchenkrise der Nachkriegszeit" ("Handelsblatt") stemmen kann. Zuvor hatte schon die HypoVereinsbank schockierende Verluste melden müssen. Bei der zweitgrößten deutschen Bank hatte sich in nur drei Monaten ein Betriebsverlust von 684 Millionen Euro angehäuft. Auch bei der Commerzbank - deren Aktienkurs nach Gerüchten über Liquiditätsengpässe regelrecht abstürzte - wird für das Gesamtjahr von den Analysten mit einem bitteren Verlust im operativen Geschäft gerechnet. Und die Dresdner Bank hat sich für die Käuferin Allianz längst als schwerer Mühlstein entpuppt: Im zweiten Quartal fiel ein Verlust von mehr als einer Milliarde Euro an.
Wenigstens die Zahlen der Deutschen Bank sollten wieder ein paar Hoffnungsschimmer in die gebeutelte Finanzwelt bringen. Doch das Gegenteil war der Fall. Bankchef Josef Ackermann musste einen Vorsteuerverlust von 181 Millionen Euro bekannt geben. Eine Zahl, die er selbst "eindeutig nicht zufrieden stellend" nannte. Die Ursachen der Misere sind schnell aufgezählt:
Doch die ganze Sanierungsarbeit wird nicht helfen, wenn Konjunktur und Börse weiter in Agonie verharren. Das ist auch Ackermann klar: "Um unsere Ziele zu erreichen, brauchen wir auch eine Erholung der Märkte", hatte er schon bei der Vorlage der Halbjahreszahlen gesagt. Von den großen, selbsbewussten Tönen, die man bisher der Deutschen Bank hörte, war das meilenweit entfernt. Auch in seinem jetziges Fazit ist von der einstigen Größe des Branchenprimus nichts mehr übrig: Man sei zuversichtlich, ein zufrieden stellendes Ergebnis für das Gesamtjahr vorlegen zu können, schrieb der Bankchef in seinem Aktionärsbrief.