Analysten "Ganz Deutschland ist jetzt zu haben"
London/Hamburg - Die "Festung Deutschland" ist nach Meinung der Bankhaus-Metzler-Analysten nun Geschichte. Die freien Kapitalmärkte hätten die "Deutschland AG" ersetzt. Als Konsequenz würden jetzt Unternehmen wie MAN, Siemens, Bayer, BASF, Schering, RWE, VIAG, Veba, Linde, Degussa-Hüls, Beiersdorf, Henkel, IWKA und Preussag entweder sehr schnell ihr Geschäft ändern oder selbst zu Übernahmekandidaten werden. Da diese Konzerne rund 23 Prozent der Dax-Gewichtung ausmachten, dürfte diese Entwicklung zusammen mit der geplanten Steuerreform einen positiven Einfluss auf den deutschen Aktienmarkt haben.
Freie Bahn sieht auch Michael Nichol, Fondsmanager bei Scottish Value Management. Zweifellos werde die Fusion zwischen Mannesmann und Vodafone weitere nach sich ziehen. "Ganz Deutschland ist jetzt zu haben", so Nichol im "Wall Street Journal".
Im Mittelpunkt der Spekulationen steht die Deutsche Telekom. Das Unternehmen gilt als mutmaßlicher Kandidat für eine Übernahme von außen, aber auch als aggressiver Käufer. Der Bonner Konzern hat zwar eine prall gefüllte Kriegskasse, die durch die Börsengänge von T-Online, T-Mobil und den Verkauf des TV-Kabels weiter aufgestockt wird. Aber Analysten erklären, wenn die Telekom nicht im ersten Halbjahr zuschlage, drohe ihr selbst der Ausverkauf. Denn im Frühsommer zieht der Bund mit dem Verkauf der restlichen Anteile die schützenden Hand von dem Konzern.
Die Attacke könnte aus den USA kommen. Die Experten erwarten, dass die Konzerne MCI Worldcom und SBC Communication schon in den Startlöchern stehen. Ihnen fehlt ein Standbein im europäischen Markt.
Im Gegenzug könnte die Telekom in den Vereinigten Staaten auf Akquise aus sein, vor allem nach dem Ausstieg aus dem internationalen Joint Venture Global One. Als Übernahmekandidaten werden Equant, Bell South oder Global Crossing genannt.
Nach wie vor halten sich aber auch die Gerüchte, das die Telekom das britische Unternehmen Cable & Wireless im Visier habe. Auch die Telecom Italia, mit der eine Fusion bereits einmal scheiterte, und die spanische Telefónica gelten als Übernahmekandidaten. Bei den kleineren Unternehmen gelten die britische Colt, die deutsche Mobilcom und Swisscom als anfällig für den Einstieg eines Global Players.