Analysten-Interview UMTS-Risiken werden geteilt
SPIEGEL ONLINE:
Ab welcher Summe erscheinen Ihnen weitere Gebote für unrealistisch?
Sandvoss: Ich würde da im Moment lieber keine Zahl nennen. In Großbritannien hat Vodafone für die größte Lizenz etwa 20 Milliarden Mark bezahlt, die anderen etwa 13,5 Milliarden Mark. In Deutschland sind wir für eine kleine Lizenz bei etwa zwölf Milliarden. Ich denke, da ist noch durchaus ein kleiner Spielraum vorhanden. Hinzu kommt, dass das Marktpotenzial in Deutschland größer ist als in Großbritannien. Der Anteil der Mobilfunkkunden an der Bevölkerung ist hier noch geringer, die absolute Zahl der Handy-Verträge ist aber bereits jetzt höher. Meines Erachtens sollte mehr das langfristige Ertragspotenzial im Mittelpunkt stehen als die kurzfristigen Lizenzkosten.
SPIEGEL ONLINE: Wie können sich die Bieter ihre Milliarden zurückholen?
Sandvoss: Es gibt die Möglichkeit, dass die Lizenzinhaber das betriebswirtschaftliche Risiko mit anderen Marktteilnehmern teilen. Ich denke da an die Hersteller der Netzinfrastruktur und der Endgeräte, ich denke aber auch an die an der UMTS-Technik sehr interessierten Inhalteanbieter und E-Commerce-Unternehmen. Zudem gibt es Möglichkeiten, die ersteigerten Lizenzen quasi unterzuvermieten. Das macht die Frage nach einer Schmerzgrenze natürlich sehr schwer.
SPIEGEL ONLINE: Wie wird das Bieterrennen Ihrer Meinung nach ausgehen?
Sandvoss: Ich schließe mich der Meinung an, dass am Ende fünf Bieter eine Lizenz erhalten: Die Deutsche Telekom und Mannesmann mit drei Frequenzblöcken, Viag Interkom, e-plus und MobilCom mit jeweils zwei. Allerdings wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir sechs Lizenznehmer sehen werden, wird von Tag zu Tag größer.
SPIEGEL ONLINE: Warum?
Sandvoss: Weil die sechs verbleibenden Bieter doch recht lange mitbieten. Da setze ich voraus, das von betriebswirtschaftlicher Planung eine große Sicherheit darüber besteht, weiter mitbieten zu können.
SPIEGEL ONLINE: Wer wird am stärksten von UMTS profitieren?
Sandvoss: Ich rechne damit, dass sich der Wertschöpfungsanteil der Netzbetreiber verringert. Kurzfristig geht das dann hin zu den Netzausrüstern und Geräteherstellern, langfristig zu den Inhalteanbietern. Natürlich werden die Netzbetreiber zunächst die dominierenden Marktteilnehmer sein. Und hier haben die bereits etablierten Netzbetreiber einen Vorteil, da sie die bestehenden GSM-Netze nutzen können.
SPIEGEL ONLINE: Werden sich die Milliarden-Investitionen für UMTS für die Bieter lohnen?
Sandvoss: Da bin ich für Deutschland relativ optimistisch. Die Lizenzen werden für zwanzig Jahre vergeben, und das ist eine gute Grundlage, um Gewinne zu erwirtschaften. Dabei unterstelle ich natürlich, dass in der Zwischenzeit keine Technik auf den Markt kommt, die in den GSM-Netzen ähnliche Möglichkeiten bietet. Die Gewinnschwelle wird aber wohl etwas später erreicht, als dies bisher angenommen wird.
SPIEGEL ONLINE: Wer bezahlt am Ende die Rechnung für UMTS?
Sandvoss: Eigentlich sind die UMTS-Gebote als eine Mobile Multimedia-Steuer zu sehen, bei der die Nutzer für die Kosten der Unternehmen aufkommen müssen. Ich denke aber, dass sich diese Steuer im harten Wettbewerb der vier bis sechs Lizenznehmer sehr schnell abbauen wird.
SPIEGEL ONLINE: Welche Entwicklung sehen Sie für die Aktienkurse der Bieter?
Sandvoss: Ich glaube, dass aus Sicht der Anleger das Ertragspotenzial der UMTS-Technik bald gegenüber den Lizenzkosten in den Vordergrund treten wird.
Die Fragen stellte Carsten Matthäus