Analysten-Kritik: Keine Extrawurst für Porsche - DER SPIEGEL
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Analysten-Kritik Keine Extrawurst für Porsche

Der Zoff zwischen Porsche und der Deutschen Börse um den Ausschluss aus dem M-Dax sorgt für Diskussionsstoff bei den Analysten. Wer keine Quartalsberichte veröffentlichen will, hat in den Indizes nichts zu suchen, lautet der allgemeine Tenor.
Von Annegret Loges
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stuttgart - Bei allem Verständis für die Argumente des Autobauers ist das Votum der Analysten eindeutig: Die Berichtsstandards der Deutschen Börse müssen eingehalten werden - auch von einem Wert, der sich so gut entwickelt. "Porsche meint, es könnte sich das herausnehmen", mutmaßt Wolfgang Albrecht, Autoanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

"Quartalszahlen kommen dem Privatanleger nicht zugute", begründet Manfred Ayasse, Porsches Leiter Investor Relations, warum das Unternehmen nicht mehr Informationen veröffentlichen möchte als bisher. Die Hektik an den Kapitalmärkten werde wesentlich durch Quartalszahlen gefördert. Starke Kursab- oder -aufschläge gebe es direkt danach. "Der Gelackmeierte ist der Privatanleger", sagt Ayasse - denn der bekomme die Informationen nicht so schnell wie die Profis, könne also auch nicht so schnell reagieren.

"Solche Kursschwankungen führen zu Fehleinschätzungen", sekundiert Wolfgang Albrecht. "Der Kleinanleger ist verunsichert." Im Grunde seien Quartalszahlen jedoch wichtig, denn sie ließen frühzeitig negative Entwicklungen erkennen. "Nehmen Sie einmal das Beispiel DaimlerChrysler. Da sind die Zahlen von Quartal zu Quartal schlechter geworden." Hätte der Autoriese erst nach einem Jahr mit den Verlusten für 2000 herausgerückt, wäre der Schaden für das Unternehmen viel größer.

Für die zweite Begründung von Porsche haben die Analysten Verständnis: Das Autogeschäft, so der Autobauer, verläuft relativ zyklisch. Gingen in einem Quartal die Umsätze zurück, müsste deshalb das Geschäft nicht insgesamt schlecht laufen. Quartalsberichte bergen demnach die Gefahr von Fehlschlüssen. "Im vierten Quartal hat sich eine Schiffsfracht in die USA verzögert. Dadurch wurden weniger Porsches verkauft", sagt LBBW-Mann Albrecht. Die Anleger hätten nur das schlechtere USA-Geschäft gesehen, der Kurs sei zurückgegangen.

Albrecht Denninghoff von der HypoVereinsbank sieht den drohenden Ausschluss Porsches aus dem M-Dax im übrigen recht gelassen: "Die Informationspolitik von Porsche ist tendenziell sehr zurückhaltend." Die Informationen seien aber sehr sorgfältig ausgewählt und träfen auch immer zu. Auch bei einem M-Dax-Verweis bleibe seine Bank bei einer Kaufempfehlung.

Trotzdem: "Es besteht schon Interesse an Quartalszahlen", sagt Denninghoff. Er hält es für eine Benachteiligung der Aktionäre, solche Zahlen nicht zu veröffentlichen. "Ich bin schon dafür, dass die Deutsche Börse einheitliche Publizitätsstandards durchsetzt, und Porsche gegebenenfalls aus dem M-Dax herausfällt." Bislang sieht es auch so aus, als wolle die Deutsche Börse hart bleiben - kein Indexverbleib ohne Quartalszahlen, zumindest ab dem ersten Quartal 2001. Nach Angaben der Frankfurter Börse ist Porsche die einzige Gesellschaft, die keine Berichte im Vierteljahresrhythmus abgeben will.

Bleibt die Frage, ob Porsche wirklich auf seiner Position beharren wird. "Wir sind im Gespräch mit der Börse", lautet die Auskunft von Manfred Ayasse.