Analysten Pischetsrieder ist der Richtige
Frankfurt am Main - Anlageexperten deutscher Großbanken haben den Wechsel an der Führungsspitze des VW-Konzerns begrüßt. Bernd Pischetsrieder sei für die Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden gut geeignet, sagten Analysten. Ebenso übereinstimmend stellten sie fest, dass der Nachfolger von Ferdinand Piëch an der Positionierung der Marken arbeiten müsse.
Arndt Ellinghorst von WestLB Panmure sagte: "Pischetsrieder muss
bei Volkswagen vielen Herren gerecht werden." Die Position bei VW sei
bislang geprägt von viel politischem Kalkül zwischen Interessen des
Landes Niedersachsen und der starken Arbeitnehmerseite. "Wenn Piech
in den Aufsichtsrat wechselt, wird das Vabanque-Spiel noch größer."
Eine große Aufgabe sei die Flexibilisierung der Produktion, sagte
Ellinghorst. "Bei VW herrscht in vielen Bereichen noch zu sehr das
Verständnis, der Händler sei der Endkunde und der Vertrieb lege das
Produktionsvolumen fest. Bei BMW wird das Volumen durch die
Bestellungen der Endkunden ("build to order") bestimmt." So müsse
auch VW arbeiten. Das Engagement von Piëch in der Luxussparte sei
eine "völlige Übertreibung. Diese Eskapaden rechnen sich nicht".l Es
sei zu hoffen, dass Pischetsrieder einen klaren Konsolidierungskurs
der Luxussparte fahre.
Lars Ziehn von der Deutschen Bank erwartet vom künftigen VW-Chef
eine deutliche Ausrichtung Richtung mehr Profit. "Pischetsrieder
könnte mehr auf Shareholder Value achten, das heißt auch mehr auf
Profit als auf Masse." Vermutlich werde er auch nicht so eifrig wie
Piëch die Pläne zum Ausbau der Lkw-Sparte verfolgen. "Das wäre gut,
weil eine große Investition im Truck-Bereich keinen Wert schafft, da
die Synergien zwischen Lastwagen und Autos praktisch nicht vorhanden
sind." Das Luxusmodell D1 etwa werde zwar keine große Bedeutung für
das Ergebnis haben, langfristig aber die Positionierung der Marke VW
stützen. "Das ist schon die richtige Strategie, um das Image der
Marke VW aufzuwerten."
Sebastian Stein von der Bankgesellschaft Berlin sieht
Handlungsbedarf bei den vier nebeneinander liegenden Marken von VW.
"Sie haben alle ihre Positionen im Markt, werden aber nicht mehr
unbegrenzt wachsen können", sagte er. Pischetsrieder müsse nun die
Marken gegeneinander und vor allem gegen Wettbewerber stärker
abgrenzen. Immer mehr konzentriere sich der Wettbewerb auf Design und
Image. "Was die Marke VW angeht, ist vieles richtig gemacht worden.
Seat aber ist an den Rand gedrängt worden." Pischetsrieder bringe aus
seiner BMW-Zeit eine große Erfahrung bei der erfolgreichen
Markenführung mit.