Analysten Sorge um Telekom-Werte
Frankfurt - Vereins- und Westbankanalyst Nils Machemehl machte eine Erholung des ganzen Sektors zur Voraussetzung für einen Wiederaufschwung der Telekom-Stücke. Während im vergangenen Jahr Übernahmephantasien den Sektor beflügelt hätten, könnten die Telekom-Aktien seiner Ansicht nach nun vor allem durch die Aussicht auf ein profitables Geschäft mit Mobiltelefonen profitieren.
"Die Kundengewinnungskosten müssen im Mobilfunkgeschäft erkennbar sinken", sagte Machemehl. "Die von der Telekom versprochene Vervielfachung des Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Amortisationen und Abschreibungen) im Mobilfunk muss sich in den Zahlen für das erste Quartal 2001 wiederfinden." Erste Indizien für eine Steigerung der Margen seien die zuletzt von der deutschen Mobilfunktochter T-Mobil deutlich angehobenen Preise für Handys mit im Voraus bezahlten Telefonguthaben und das langsamere Kundenwachstum. Dies könnte zu einer geringeren Subventionierung der Neukunden führen.
Auch Analyst Christoph Vogt von M.M.Warburg sieht eine verbesserte Börseneinschätzung der gesamten Telekom-Branche als Voraussetzung für eine Kurserholung bei den Aktien der Deutschen Telekom an. "Das Debakel beim Börsengang des Mobilfunkanbieters Orange hat viel Vertrauen zerstört", sagte Vogt. "Die Investoren brauchen wieder Vertrauen in die Vorteile des Zukunftsgeschäfts UMTS." Notwendig sei, dass die Branche aufzeige, mit welchen Anwendungen Geld zu verdienen sei. Vorbild könne das Massengeschäft mit über Mobiltelefone verschickte Kurznachrichten (SMS) sein.
Eine bessere Brancheneinschätzung an der Börse könnten auch weiter sinkende Zinssätze liefern, da die Refinanzierungskosten der hoch verschuldeten Unternehmen dann sinken würden. Die Aktien der Deutschen Telekom litten vor allem darunter, dass die Investoren nicht zwischen finanzschwachen Unternehmen wie British Telecom oder KPN und einem substanziell finanzstarken Konzern wie der Telekom unterschieden. "Es wäre Balsam für die Märkte, wenn die Telekom jetzt mit Fakten und einem Vertragsabschluss über den Verkauf einer Beteiligung aufwarten würde", sagte Analyst Vogt. Allerdings lägen die Preise derzeit am Boden, was den möglichen Erlös der Beteiligungsverkäufe mindere.
Die Telekom will sich bereits seit längerer Zeit von nicht zum Kerngeschäft gehörendem Beteiligungsbesitz trennen. Der am Wochenende in einem Zeitungsbericht genannte Wert des zur Veräußerung anstehenden Besitzes von 14 bis 19 Milliarden Euro wurde von den Analysten als zutreffend und wenig überraschend eingestuft. Trennen will sich die Telekom von ihrem Aktienpaket an dem US-Konzern Sprint, das derzeit rund 3,7 Milliarden Mark wert ist, sowie vom zuletzt mit 17,2 Milliarden Euro verbuchten Immobilienbestand und weiteren regionalen TV-Kabelnetzen.