Analysten "Wünschenswert und richtig"
Die EZB wolle mit der Zinserhöhung noch einmal die Euro-Intervention der Notenbanken im September untermauern, lautet der Tenor bei den Analysten. Mit dem Schritt wollten die Währungshüter den Euro weiter stabilisieren. "Wenn das der Grund war, ist die Zinserhöhung allerdings zu gering ausgefallen und hat lediglich eine Signalwirkung", sagt Bernhard Pfaff von der Commerzbank.
Michael Holstein von der DG-Bank stimmt dem zu. Möglicherweise sei die Zinsanhebung aber auch ein vorbeugender Schritt gegen Inflation gewesen, da nach Berechnungen seiner Bank die Teuerungsrate im September bei 2,6 Prozent liegen werde. Ein weiterer Grund: Die EZB habe die Erhöhung deshalb schon jetzt vorgenommen, weil sie später in diesem Jahr mit einer leichten konjunkturellen Abschwächung rechne - und Zinsen dann nicht mehr so leicht erhöht werden könnten.
"Ich vermute, dass es nicht zufällig war, dass die Märkte diesmal nicht vorbereitet wurden", meint Holstein. Die Zinserhöhung sei erwartet worden, allerdings erst gegen Ende des Monats. An weitere Erhöhungen noch in diesem Jahr glaubt er nicht.
Petra Köhler von der Dresdner Bank sieht den Grund für die Entscheidung im erwarteten "Inflationshöhepunkt" im September. Auch ihr Haus geht von einer Teuerungsrate von 2,6 Prozent aus und erwartet bis zum Jahresende eine Inflationsrate von mehr als zwei Prozent.
Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, findet die Zinserhöhung "wünschenswert und richtig". Sie passe in die Konjunkturlandschaft Europas und werde das Wachstum nicht behindern. "Ich denke, die Konjunktur-Entwicklung kann auch einen Leitzins von fünf Prozent vertragen", sagt Walter. Er geht davon aus, dass bis Ende 2000 noch ein weiterer Zinsschritt von 0,25 Punkten folgen könne.