Analysten zur Wahl Bloß keine große Koalition
Frankfurt am Main - In der von der Nachrichtenagentur Reuters durchgeführten Umfrage gaben rund 60 Prozent der befragten Analysten an, dass sie Schröder als Gewinner der Bundestagswahl am kommenden Sonntag erwarten, 17 Prozent sehen den Unions-Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) als Sieger und 21 Prozent sagten ein Unentschieden zwischen den Kandidaten voraus.
42 Analysten von 23 deutschen und internationalen Investment-Banken und Handelshäusern nahmen an der Umfrage teil. Der jüngsten Prognose des Allensbach-Instituts zufolge liegt die Union wieder knapp vor der SPD, nach Angaben des Forsa-Instituts führt die Kanzler-Partei das Feld an.
Wegen der geringen Unterschiede in den Wahlprogrammen der großen Parteien erwarten Analysten und Aktienstrategen, dass der Einfluss des Wahlergebnisses auf den breiten Markt gering sein wird.
Am liebsten Margaret Thatcher
"Die Märkte glauben, dass dieses Land viele Veränderungen in vielerlei Hinsicht benötigt, und dass aus diesem Grund die Wahl bedeutend ist", sagte Matthias Joerss, Aktienstratege bei Sal. Oppenheim.
Am liebsten wäre den meisten Börsianern wohl ein knallharter neoliberaler Deregulierer vom Typ Margaret Thatcher. Da so jemand in Deutschland aber nicht zu haben ist, bevorzugt die Mehrzahl der Analysten eine von Stoiber geführte Regierung. Bei Schröders Herausforderer sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass dieser strukturelle Reformen in Angriff nehmen würde, wie die Öffnung der Arbeitsmärkte zur Steigerung des Wettbewerbs. Allerdings sehe die Börse Bestrebungen der Konservativen, die Einwanderung zu beschränken, mit Sorge.
Für die Stimmung am Markt wäre es den Analysten zufolge am Schlimmsten, wenn weder die derzeitige SPD/Grünen-Regierung noch eine Koalition aus Union und FDP eine Mehrheit erzielen würde. 60 Prozent der Befragten gehen in diesem Fall von einem negativen Einfluss aus.