Andersen: Fusionsgespräche mit Konkurrenten geplatzt - DER SPIEGEL
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Andersen Fusionsgespräche mit Konkurrenten geplatzt

Der Plan des angeschlagenen Wirtschaftsprüfers Andersen, sich durch eine Fusion mit einem Wettbewerber zu retten, wird immer unwahrscheinlicher. Zwei große Konkurrenten haben bereits abgewinkt, das US-Justizministerium wird heute vermutlich Anklage gegen Andersen erheben.
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Wie die "Washington Post" berichtet, hat es Andersen in einem Brief an den zuständigen Staatsanwalt Michael Chertoff abgelehnt, sich der Behinderung der Justiz im Fall Enron schuldig zu bekennen.

Nach dem Brief dürften sämtliche Hoffnungen auf eine gütliche Einigung Andersens mit dem Justizministerium in Washington dahin sein: In dem geharnischten Schreiben nennt Andersen die vom Generalstaatsanwalt vorgelegten Beweise "dürftig" und die Androhung eines Verfahrens "eine beispiellose Auslegung strafverfolgerischen Ermessens und einen krassen Missbrauch staatlicher Macht". Andersens Anwälte werfen dem US-Justizministerium vor, es habe dem Unternehmen keine Möglichkeit gegeben, seine Sicht der Dinge vor einer Jury darzulegen. Stattdessen wolle das Ministerium viel zu schnell Anklage erheben und "die Todesstrafe über das Unternehmen verhängen".

Rettende Fusion wird immer unwahrscheinlicher

Noch gestern sah es so aus, als ob sich Andersen durch eine Fusion mit einer der anderen "Big Five"-Prüfungsgesellschaften retten könnte. KPMG, Ernst & Young sowie Deloitte Touche Tohmatsu waren als mögliche Käufer im Gespräch und standen mit Andersen in Verhandlungen. Am Mittwochabend erteilte Deloitte-Chef James Copeland einer möglichen Fusion jedoch eine klare Absage: "Leider ist es uns nicht gelungen, eine produktive Lösung zu erarbeiten."

Auch Ernst & Young hat sich nach einem Bericht des "Wall Street Journal" inzwischen aus den Fusionsgesprächen verabschiedet. "Die Risiken", zitierte die Zeitung eine Person, die mit den Verhandlungen vertraut ist, "wurden als unakzeptabel angesehen". Lediglich KPMG verhandelt noch mit Andersen, Verhandlungskreise bezeichneten die Chancen einer Fusion gegenüber dem "Journal" jedoch als "sehr gering".

Angst vor der Klagewelle

Potenzielle Käufer fürchten vor allem das finanzielle Risiko, das eine Übernahme mit sich brächte. Neben einem Verfahren wegen Behinderung der Justiz drohen Andersen zahllose zivilrechtliche Klagen. Sollte Andersen von den bilanziellen Unstimmigkeiten bei dem bankrotten Energiehändler Enron gewusst und diese vertuscht oder verschwiegen haben, ist eine Welle von Sammelklagen durch geprellte Enron-Pensionäre, Fonds und Banken so gut wie sicher. Die um ihr Vermögen gebrachten Enron-Anleger haben bereits eine Sammelklage gegen Andersen eingereicht, ein Vergleichsangebot des Wirtschaftsprüfers über 750 Millionen Dollar lehnten sie ab.

Neben den kaum abschätzbaren rechtlichen Risiken schreckt viele Konkurrenten die Tatsache ab, dass Andersen von Tag zu Tag an Wert verliert. Der Markenname Andersen ist ruiniert, die Zahl der Kunden, die weiterhin einen Andersen-Stempel unter den Testaten ihrer Jahresabschlüsse sehen wollen, schrumpft täglich. Top-Unternehmen wie Merck, Delta Airlines oder Freddie Mac sind dem Wirtschaftsprüfer bereits von der Fahne gegangen; alleine gestern hat Andersen mindestens vier größere Klienten verloren.

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