Andersen/KPMG Brüssel sieht Fusion kritisch
Brüssel - Offiziell heißt es in Brüssel "No comment", seitdem die beiden Prüfungsunternehmen Gespräche über die Fusion ihres Geschäftes außerhalb der USA bekannt gegeben haben. Zu reinen Fusionsplänen nimmt die EU-Kommission keine Stellung, KPMG und Andersen haben ihre Ehe noch nicht definitiv beschlossen.
Inoffiziell ist offenbar aber bereits jetzt Widerwillen zu spüren: In Kommissionskreisen gebe es deutliche Bedenken, berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Kartellwächter fürchteten eine weitere Konzentration auf dem Prüfungssektor. Sie würde die Möglichkeit von Firmen einschränken, ihren Abschlussprüfer zu wechseln. Sowohl KPMG als auch Andersen gehören weltweit zu den "Top Five" der Wirtschaftsprüfer.
Mit dem Zusammenschluss der deutschen Organisationen von KPMG und Andersen würden die Nummer zwei und drei bei den Wirtschaftsprüfern fusionieren. Marktführer ist nach Ansicht von Experten in Deutschland PriceWaterhouseCoopers.
Andersen ist nach eigenen Angaben in insgesamt 84 Ländern mit 385 Büros vertreten. Gegründet wurde die Organisation 1913 in Chicago, die deutsche Partnerschaft entstand 1960. Weltweit setzte Andersen eigenen Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2000/01 9,3 Milliarden Dollar um, auf Deutschland entfielen umgerechnet rund 521 Millionen Euro. KPMG prüft nach eigenen Angaben rund die Hälfte der 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex und verbuchte im Jahr 2000 einen Umsatz von insgesamt 1,197 Milliarden Euro. In Deutschland beschäftigen beide Organisationen zusammen rund 12.000 Mitarbeiter.
Unterdessen stellt eine weitere Meldung klar, wer bei einer Fusion der beiden der mächtigere Partner wäre: Im Falle eines Zusammenschlusses von KPMG und Arthur Andersen außerhalb der USA solle der Name von Andersen nicht mehr in der Firmenbezeichnung auftauchen, hieß es am Mittwoch. Er sei im Zusammenhang mit den Aktenvernichtungen bei Enron beschädigt. Deshalb sollte das fusionierte Unternehmen den Namen KPMG tragen, sagte der Chef von KPMG in Frankreich, Jean-Luc Decornoy der französischen Tageszeitung "La Tribune". Dieser Punkt sei bereits in den Gesprächen mit Andersen geklärt worden.