Angeschlagener Autobauer GM feuert Ingenieure
Detroit/New York - General Motors (GM) wird nach Angaben aus mit der Situation vertrauten Kreisen heute in den USA mit der Entlassung von qualifizierten Mitarbeitern wie Ingenieuren beginnen. Damit würden die ersten der im November angekündigten Stellenstreichungen vollzogen, hieß es. Im April würden zudem Kündigungen beim Vertrieb und dem Marketing bekanntgegeben. Ein Sprecher von GM nahm zu den Angaben keine Stellung.
Beobachter sehen in den Streichungen bei den Qualifizierten ein Zeichen an die Gewerkschaften, dass nicht nur die Arbeiter an den Bändern von den Restrukturierungsmaßnahmen betroffen sein werden. Der weltgrößte Autokonzern will bis 2008 insgesamt 30.000 Stellen abbauen und zwölf Werke schließen.
Heute wollen die Arbeitnehmervertreter über einen Plan für Lohnkürzungen bei der ehemaligen GM-Tochterfirma Delphi beraten, den das Management des insolventen Autozulieferers vorgelegt hatte. Sollten die Arbeitnehmervertreter nicht zustimmen, könnte das auch GM treffen. Sechs Jahre nach der Abspaltung ist Delphi weiter größter Zulieferer von GM. Ein Streik bei dem einstigen Tochterunternehmen könnte zu einem Produktionsstopp in GM-Fabriken und damit zu neuen finanziellen Schwierigkeiten führen.
GM steckt tief in der Krise. Der Konzern hatte Anfang des Monats seinen Verlust für 2005 um weitere zwei Milliarden auf eine Gesamtsumme von nunmehr 10,6 Milliarden Dollar nach oben revidiert. Der Hersteller hat in den USA Marktanteile an asiatische Konkurrenten verloren und im Rahmen umfassender Umstrukturierung seine Kapazitäten gedrosselt.
Gleichzeitig erklärte GM, an den intern umstrittenen Marken Saab und Hummer festhalten zu wollen. Die Töchter seien fest in die globale Strategie des Konzerns eingebunden, sagte gestern der GM-Verkaufschef für Nordamerika, Mark LaNeve. GM-Großaktionär Kirk Kerkorian hatte den größten Autokonzern der Welt zuvor aufgefordert, sein vielfältiges Marken-Portfolio zu straffen.
suc/AFP/Reuters