Angeschlagener Platzhirsch Neue Millionenstrafe gegen Microsoft
Seoul - Es ist die höchste Geldstrafe, die in Südkorea jemals gegen ein ausländisches Unternehmen verhängt wurde: Umgerechnet 32 Millionen Dollar soll Microsoft wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht in Südkorea zahlen. Außerdem verpflichtete die Handelskommission (FTC) in Seoul den weltgrößten Softwareanbieter dazu, künftig unterschiedliche Versionen seines Betriebssystems Windows anzubieten.
Die feste Einbindung des so genannten Media Servers, des Media Players und des Instant Messengers in Windows verhindere Wettbewerb und führe zu einer Monopolbildung, begründete die Kartellbehörde ihre Entscheidung. Dies erschwere anderen Herstellern von Serversoftware und Betriebssystemen für PCs den Markteintritt und gehe damit auch zu Lasten der Verbraucher. Deshalb müsse das US-Unternehmen künftig auch eine Windows-Version anbieten, die Verknüpfungen zu Webseiten konkurrierender Software-Anbieter ermöglicht. Über den Windows Messenger können Nutzer Nachrichten über das Internet austauschen; der Media Player dient zum Abspielen von Video- und Audiodateien auf dem Computer.
Rekordbußgelder und -vergleiche
Microsoft hatte die Vorwürfe des FTC bestritten. Das Unternehmen habe sich "innerhalb koreanischen Rechts" geglaubt. Die Integration von Instant-Messaging- und Media-Player-Funktionen in Windows böten einen "großen Wert für Verbraucher und Gelegenheiten für koreanische Entwickler von Anwendungen, die auf Windows laufen", hieß es in einer Erklärung. Der Konzern bekräftigte zugleich, dass er weiter Produkte für den koreanischen Markt entwickeln werde. Im Oktober hatte der Konzern noch mit einem möglichen Rückzug aus dem Land gedroht.
Die Entscheidung des FTC gegen Microsoft erfolgte trotz der friedlichen Regelung in einem Rechtsstreit mit dem südkoreanischen Internetanbieter Daum Communications. Das Unternehmen hatte Microsoft vorgeworfen, durch seine Monopolstellung den Wettbewerb zu verzerren. Vor vier Jahren hatte Daum eine entsprechende Beschwerde bei der südkoreanischen Kartellbehörde eingelegt. Bereits im Oktober hatte Microsoft mit Vereinbarungen in Höhe von 761 Millionen Dollar einen jahrelangen Kartelldisput mit dem Softwarehersteller RealNetworks friedlich regeln können. Der Hersteller der Multimediasoftware Real Player hatte dagegen geklagt, dass Microsoft seinen Windows Media Player mit dem Betriebssystem bündelt.
Im März des letzten Jahres hatte die EU-Kommission den Konzern außerdem wegen des Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung zur Zahlung eines Rekordbußgeldes von 497 Millionen Euro verurteilt. Ein Berufungsverfahren von Microsoft läuft, eine Entscheidung wird nicht vor Frühjahr 2006 erwartet.