AKTIEN Angst vor Bilanztricks
Jahrelang war in der Börsenwelt die amerikanische Bilanzierungsrichtlinie das Maß aller Dinge. Unternehmen, die ihre Bücher nach US-GAAP-Regeln schrieben, galten bei Investoren als fortgeschritten - und erhielten häufig einen Vertrauensvorschuss. Seit der spektakulären Enron-Pleite aber ist alles anders. In den vergangenen Wochen brachen selbst klassische Börsenstars wie beispielsweise General Electric oder IBM um rund zehn Prozent ein. Der Grund: Schockiert von den bilanziellen Tricks, mit denen der US-Energieversorger seine Verluste auf Offshore-Inseln wie den Caymans versteckt hatte, zerpflücken institutionelle Anleger nun die Bilanzen und Finanzierungsmodelle ihrer einstigen Lieblinge. Und sie stoßen die Papiere ab, sobald sich auch nur der leiseste Verdacht von Intransparenz und Trickserei ergibt. Selbst die Zunft der Analysten, die alle Trends messerscharf ins Visier nimmt, wenn es längst zu spät ist, ist von der »Enronitis« infiziert. Bei Cisco Systems machten die Experten nun »aggressive Bilanzierungsmethoden« aus - die Aktie gab weiter nach. Auch weniger bekannte Firmen wie der Mischkonzern Tyco International, der Telekommunikationsanbieter und Glasfasernetzbetreiber Global Crossing oder der irische, aber in New York gehandelte Pharmakonzern Elan verloren seit Anfang Januar auf Grund buchhalterischer Fragen über 50 Prozent ihres Wertes.