Angst vor Jobverlust Krankfeiern kommt aus der Mode
Bonn - Im Durchschnitt waren die 10,3 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitglieder im Jahr 2003 im Durchschnitt 17,7 Kalendertage krankgeschrieben. Im Jahr zuvor waren es noch 19,0 Kalendertage. Die Zahl der krankheitsbedingten Ausfalltage in den Betrieben sank demnach um 6,4 Prozent, wie das wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Dienstag in Bonn mitteilte. Die stärksten Rückgänge seien im Baugewerbe und im verarbeitenden Gewerbe verzeichnet worden.
Der Krankenstand der AOK-Mitglieder von insgesamt 4,9 Prozent lag allerdings deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Der gesamte Krankenstand in Deutschland 2003 betrug nach Zahlen der Bundesregierung 3,61 Prozent.
Die AOK-Experten führten den gesunkenen Krankheitsstand vor allem auf die hohe Arbeitslosigkeit und die nach wie vor schwache Konjunktur zurück. Eine repräsentative Befragung des WIdO im Jahr 2003 hatte ergeben, dass sich viele Beschäftigten aus Angst um den Arbeitsplatz nur noch krankmelden, wenn es absolut unvermeidbar ist.
Fast 71 Prozent der Arbeitnehmer haben im Jahr 2002 gearbeitet, obwohl sie sich "richtig krank" fühlten, hieß es im "Fehlzeiten-Report 2003" des WIdO. Demnach warteten 62 Prozent der rund 2000 befragten Arbeitnehmer zur Erholung auf das Wochenende, etwa jeder fünfte nahm zur Genesung sogar Urlaub. Knapp zwei Drittel der Beschäftigten befürchten berufliche Nachteile bei Krankmeldungen.
Hinzu komme, dass im Zuge des Personalabbaus in den letzten Jahren aus vielen Betrieben viele ältere und gesundheitlich beeinträchtigte Beschäftigte ausgeschieden seien. Positiv sei aber, dass die Unternehmen verstärkt in Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung investiert hätten. Auch dies trage zu den niedrigen Fehlzeiten bei.
Den höchsten Krankenstand 2003 meldete das WIdO für die öffentliche Verwaltung (5,6 Prozent), den niedrigsten für Banken und Versicherungen (3,3). In Ostdeutschland gingen die krankheitsbedingten Fehlzeiten deutlich stärker zurück als im Westen. Während sie im Jahr 2003 in den alten Ländern um 5,9 Prozent abnahmen, waren es in den neuen Ländern 8,9 Prozent.
Die meisten Fehlzeiten seien mit 26,5 Prozent der Ausfalltage durch Muskel- und Skeletterkrankungen, insbesondere im Rückenbereich, verursacht worden. Wachsende Bedeutung hätten auch psychische Störungen erlangt. Sie seien mittlerweise nach Atemwegserkrankungen (13,7 Prozent), und Verletzungen (13,6 Prozent) die vierthäufigste Ursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten.