Angst vor Massenentlassungen: Clement will bei KarstadtQuelle-Umbau mitmischen - DER SPIEGEL
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Angst vor Massenentlassungen Clement will bei KarstadtQuelle-Umbau mitmischen

Die Krise von KarstadtQuelle hat die Bundesregierung alarmiert. Angesichts des drohenden Wegfalls tausender Arbeitsplätze mahnte Wirtschaftsminister Clement, der Vorstand solle den Umbau sorgfältig angehen. Zugleich bot er seine Hilfe an und machte klar, wer seiner Ansicht nach verantwortlich für die Misere ist: das frühere Management.
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Düsseldorf - "Wir sind derzeit in Kontakt mit KarstadtQuelle", sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement in einem Interview mit Reuters TV. Die Bundesregierung stehe im Interesse der Arbeitnehmer von KarstadtQuelle zur Verfügung, sagte Clement. "Wir wollen natürlich nicht, dass Menschen dort in den Arbeitsmarkt entlassen werden. Soweit wir helfen können, dass das nicht geschieht, werden wir das tun."

Neben der anhaltenden Konsumflaute in Deutschland und dem harten Verdrängungswettbewerb sieht Clement Fehler des früheren Konzernmanagements als die wichtigste Ursache für die Misere. Es seien "kräftige Fehler" gemacht worden. "Und darüber sollte man nicht hinweg reden". Er gehe davon aus, dass keine abrupten Entscheidungen zu Lasten von Standorten und Arbeitnehmern fielen, "sondern dass dort sehr sorgfältig umgegangen wird mit einem offensichtlich unvermeidbaren Umgestaltungsprozess, der sehr tief greifend ist", sagte Clement.

Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung will sich in Sanierungsbemühungen einschalten. Der Minister für Arbeit und Wirtschaft, Harald Schartau (SPD), sagte, er habe bereits Gespräche mit dem Karstadt-Vorstand und der Gewerkschaft Ver.di aufgenommen.

Die Intervention der Politik kommt keineswegs von ungefähr, denn die Folgen der Krise reichen weit über die Anzahl der entlassenen Mitarbeiter hinaus. Die Kommunen befürchten bereits eine weitere Verödung der Innenstädte durch die drohende Schließung von Karstadt-Kaufhäusern. "In mittelgroßen Städten kann das durchaus den Tod für die Stadtzentren bedeuten", sagte Helmut Dedy, Wirtschaftsexperte vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Schon jetzt liege nur noch gut ein Drittel der Einzelhandelsflächen in den Innenstädten und zwei Drittel auf der grünen Wiese vor den Stadttoren. Sollten tatsächlich viele Karstadt-Häuser schließen, würde sich dieses Verhältnis weiter verschlechtern. "Das wäre eine Katastrophe."

In der Vergangenheit waren politische Einflussversuche allerdings eher nicht von Erfolg gekrönt, wie etwa bei dem Pleite gegangenen Baukonzern Philipp Holzmann. Nur kurze Zeit nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder die vermeintliche Rettung mit regionalen Politikgrößen in Frankfurt gefeiert hatte, war das Schicksal von Holzmann dann doch besiegelt.

Ver.di will vorerst nicht nicht zum Streik aufrufen

Einen Tag nach der Präsentation der geplanten Einschnitte trafen sich erneut Vertreter der Banken mit dem Vorstand von KarstadtQuelle, um über die notwendigen Sanierungsschritte und dafür in Aussicht gestellte Finanzhilfen zu beraten. Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt. Investor-Relations-Chef Detlef Neveling sagte allerdings, KarstadtQuelle beabsichtige bei den Gesprächen nicht, höhere Kreditlinien oder gar Zahlungsaufschub zu bekommen.

Die Belegschaft trat unterdessen zu Betriebsversammlungen zusammen, die 181 Karstadt-Warenhäuser blieben am Mittwoch vorübergehend geschlossen. Betriebsräte sagten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Belegschaft habe gefasst auf die Pläne reagiert. "Für uns wird sich erstmal nichts tun", sagte ein Betriebsrat im nordrhein-westfälischen Bocholt.

Die Gewerkschaft Ver.di denkt derzeit denn auch nicht an Streik. "Darüber reden wir erst, wenn es so weit ist, nicht zu Beginn einer Auseinandersetzung", sagte Bundesvorstandsmitglied Franziska Wiethold. Ver.di fordere von künftigen Investoren für die 77 Warenhäuser auf der Verkaufsliste von KarstadtQuelle, alle Beschäftigten und die bestehenden Tarifverträge zu übernehmen. In den 89 anderen Häusern sollten zusätzliche Investitionen in Bedienung, Beratung und Warenqualität vorgenommen werden.

Analysten zweifeln am Sanierungskonzept

Während die Banken des Essener Traditionskonzerns mit dem Management über die harten Sanierungsschritte berieten, äußerten Branchenexperten Zweifel an der Umsetzbarkeit des von Vorstandschef Christoph Achenbach am Vortag bekannt gegebenen Restrukturierungsprogramms. "Die Erwartung, bei den Warenhäusern künftig den Umsatz um jährlich ein Prozent steigern zu können, halte ich für recht optimistisch", sagte die Branchenexpertin Barbara Ambrus von der Landesbank Baden-Württemberg.

Ein weiteres Problem sehe sie bei den erwarteten Erlösen aus dem Verkauf von Unternehmensteilen. "Wenn man sieht, wie schwierig es beim Wettbewerber Metro war, für die ausgelagerten Unternehmensteile einen Käufer zu finden, kann man bei KarstadtQuelle nicht viel mehr erwarten."

Ein anderer Branchenexperte wurde noch deutlicher: "KarstadtQuelle will Dinge verkaufen, die nicht gerade zu den Perlen des Konzerns gehören. Ich kenne niemanden, der hier zuschlagen wollte." Seit Jahren schließen in Deutschland schließlich auch privat geführte, angestammte Kaufhäuser und auch ausländische Marken haben längst den Rückzug angetreten - wie etwa der britische Einzelhandelskonzern Marks & Spencer.

KarstadtQuelle hofft, mit dem umfangreichsten Umbauprogramm seiner Unternehmensgeschichte die Nettofinanzverschuldung noch in diesem Jahr um 13,5 Prozent auf 2,85 Milliarden Euro zu senken. Nach einem erwarteten Milliardenverlust im Konzern in diesem Jahr soll 2005 - bereinigt um Restrukturierungskosten - zumindest operativ - wieder ein positives Ergebnis von 110 Millionen Euro erzielt werden.

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