Anlagestrategie: Absichern in alle Richtungen - DER SPIEGEL
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Anlagestrategie Absichern in alle Richtungen

Deutschlands Anleger sind verunsichert. Der Aufschwung an den Börsen scheint weiterzugehen, jede Woche kommen bessere Wirtschaftsnachrichten. Doch wie lange noch? Jetzt hat die Nervosität auch Fachleute gepackt.
Von Karsten Stumm
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf - Irgendwie scheint die Lage unübersichtlich. Die Wirtschaft ist stark, die Unternehmen verdienen gut - doch die Anleger sind nervös. Die Börse ist es auch.

Anfang Mai plumpsten die bedeutendsten Aktienindizes weltweit von ihren gerade erreichten Jahreshochs herunter. Das führende deutsche Börsenbarometer Dax   beispielsweise verlor innerhalb weniger Tage rund 200 seiner 7500 Punkte. Mittlerweile hat der Index wieder das alte Niveau erreicht.

"Viele Investoren, die bereits im März mit einer stärker ausgeprägten Korrektur gerechnet hatten, mussten zuletzt ihre Short-Positionen in der anschließenden Erholungsphase abbauen", erklärt Invesco-Manager Eric Tazé-Bernar die immer wieder einsetzende Erholung an der Börse. "Jetzt bauen viele internationale Investoren ihre Aktienallokationen sogar aus." Nicht zuletzt aufgrund der guten Stimmung in der deutschen Wirtschaft.

Die Landesbank Baden-Württemberg hat errechnet, dass die Gewinne der Dax-Unternehmen im ersten Vierteljahr 2007 um mehr als 30 Prozent zugelegt haben. Erwartet hatten die Analysten der Bank lediglich ein Plus von 9,5 Prozent. In allen bedeutenden Volkswirtschaften der Erde stehen gerade die etablierten Unternehmen blendend da.

Auch Zahlungsschwierigkeiten haben die Unternehmen immer weniger. "Die industrialisierten Länder insgesamt weisen im ersten Quartal 2007 mit 75 Punkten einen Zahlungsindex auf, der weit unter dem Durchschnitt aller Länder liegt, die auf einen Wert von 106 Punkten kommen", sagt Benoît Claire, Vorstandsvorsitzender von Coface Deutschland; ihr Unternehmen begutachtet, wie viele Firmen weltweit und regional in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Speziell europäische Aktien sind laut Merrill Lynch   noch immer deutlich unterbewertet. Deshalb könnten internationale Investoren bald zusätzliches Geld in die europäischen Aktienmärkte stecken, sagen die amerikanischen Investmentbanker - und setzen damit zumindest für die nächste Zeit auf weiter steigende Kurse.

Renditestar Wachstumsaktie

"Die liegen derzeit real tatsächlich immer noch um 30 Prozent unter ihrem damaligen Höchststand aus dem Jahr 2000. Dabei sind die Gewinne seit der Jahrtausendwende um 60 Prozent gestiegen", ergänzt Peter Oppenheimer, Chef des strategischen Aktienresearch für Europa, den Mittleren Osten und Afrika von Goldman Sachs  . Darüber hinaus sei die Eigenkapitalrendite europäischer Unternehmen in dieser Zeit von 8,2 auf 16,6 Prozent in die Höhe geschnellt.

"Die Rahmenbedingungen für die europäischen Aktienmärkte bleiben gut", sagt denn auch Heiko Veit, Leiter des Aktien-Growth-Teams bei Metzler Investment. "Die Ertragsentwicklung sollte auch im weiteren Jahresverlauf überwiegend positiv ausfallen, wenn auch mit geringeren Zuwachsraten. Unternehmen mit strukturellem Wachstum dürften von dieser Entwicklung profitieren", glaubt der Metzler-Mann.

Tatsächlich haben sich kleinere Wachstumswerte, die ihre Zukunft noch vor sich haben, im laufenden Jahr besser entwickelt als der europäische Gesamtmarkt; die Entwicklung können Sparer am MSCI-Europa-Growth-Index ablesen, der vom Jahresanfang bis Ende April um 8,0 Prozent zulegte. Das MSCI-Börsenbarometer für alle europäischen Aktien kam in dieser Zeit dagegen nur auf ein Plus in Höhe von 6,8 Prozent.

Die Anteilsscheine so mancher etablierten Gesellschaften dagegen geraten in dieser Börsen- und Wirtschaftsphase nach Expertenmeinung ins Hintertreffen. "Dividendenaktien beispielsweise spielen ihre Vorteile vor allem in unruhigen Börsenzeiten aus", sagt Deka-Manager Trudbert Merkel, Manager des Deka-Fonds der Sparkassen, einem deutschen Investment-Klassiker. Dafür seien angesichts der boomenden Konjunktur jedoch keine Anzeichen erkennbar.

In diesem Punkt allerdings sind sich Anleger und Wirtschaftsexperten nicht mehr so sicher. "In Amerika wird das Wirtschaftswachstum von der Abkühlung am Immobilienmarkt gedämpft, obwohl solide Einkommens- und Beschäftigungszuwächse den privaten Konsum stützen", sagt Invesco-Manager Tazé-Bernar. "Verstärkt wird der globale Preisdruck noch dazu vom starken Geldmengenwachstum sowie der spektakulären Wachstumsdynamik in China, die zu den hohen Rohstoffpreisen beiträgt." Sein Fazit: "Angesichts der zunehmenden Unsicherheiten verfolgen wir eine vorsichtigere Aktieninvestmentstrategie. Allerdings spricht einiges dagegen, sich schon jetzt gegen den aktuellen Aufwärtstrend zu stemmen." Absicherung in alle Richtungen scheint also angesagt.

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