Anlagestrategie Störfaktor Euro
Das Maß an Verwirrung ist beträchtlich. Was hat man uns nicht alles versprochen? Der Euro wird stark sein wie die Mark. Doch jetzt ist er fast so schwach wie der Rubel. Für die Aktionäre ist das freilich ein Grund zum Jubeln. Denn Abwertungsbörsen sind meistens feste Börsen. Für die Verantwortlichen bei der EZB ist die Euroschwäche freilich ein Grund zur Besorgnis, denn auf die lange Sicht ist eine schwache Währung immer ein Risiko.
Doch wie stabilisiert man eigentlich eine Währung? Die Kommentare zu diesem Thema könnten nicht widersprüchlicher sein. Die einen sagen: Zinsen rauf. Die anderen wiederum: Um Gottes Willen, nur das nicht. Und wer hat Recht?
Das Schwierige in Hinsicht auf Börsen und Finanzmärkte ist, dass es niemals eine Theorie geben kann, die immer richtig ist. Denn Börsen und Finanzmärkte sind ein interdependentes System, in dem jede Veränderung immer mindestens zwei entgegengesetzte Wirkungen hat.
Wie beim Euro: Würde die EZB nämlich die Zinsen anheben, dann würde sie einerseits zwar Auslandskapital anziehen und dadurch den Euro stärken. Andererseits jedoch schwächt sich dadurch die Wirtschaft ab, was folglich bedeuten wird, dass viele Investoren wachstumsstärkere Regionen als Euroland bevorzugen werden. Resultat: Ein Schwächung des Euros.
Doch auch wenn die EZB das Gegenteil machen, nämlich das Zinsniveau nicht anheben, sondern beibehalten oder sogar ermäßigen würde, verändert sich die Situation keineswegs. Denn jetzt wird zwar weiterhin das höhere Zinsniveau in den USA Kapital anziehen und den Euro schwächen. Dafür jedoch könnte die Wirtschaft stärker wachsen und somit verstärkt Kapital anziehen, was den Euro wiederum stärken sollte.
Es bleibt also dabei: Egal was die EZB macht, sie erzielt bei allen ihren Aktionen immer sowohl einen positiven als auch einen negativen Effekt auf den Wechselkurs des Euros. Für den Börsianer bleibt der Euro damit ein stetes Störfeuer, denn jeder Börsianer befindet sich stets in einer doppelten Unwissenheit: Erstens weiß er nicht, was die EZB als nächstes machen wird. Und zweitens weiß er schon gar nicht, wie die Märkte darauf reagieren werden.
Die Börse und die Finanzmärkte sind damit also auch heute noch genau das, als was sie bereits im Jahr 1688 Don Joseph de La Vega im ältesten Buch zu diesem Thema bezeichnet hat: die Verwirrung der Verwirrungen.
Bleiben zwei Fragen: Ist die Notenbank nun bei ihren Versuchen zur Stabilisierung des Wechselkurses generell machtlos? Und ist es in diesem Szenario folglich sinnlos, sein Geld in Aktien anzulegen? Meine Antwort auf beide Fragen lautet: Kurzfristig ja, langfristig nein. Langfristig werden sowohl die Aktien als auch der Euro alle Krisen überstehen. Allerdings nur wenn die jeweiligen Akteure einen kühlen Kopf behalten, Vertrauen schaffen und vor allem agieren und nicht reagieren. Oder um ganz frei mit Kant zu sprechen, dem Markt die Gesetze vorschreiben und sich ihnen nicht ausliefern.