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Anlegermagazine
Nieten aus der Druckerpresse
Mit Aktientipps und Gewinnprognosen schürten Anlegermagazine die Hoffnung auf den großen Gewinn an der Börse. Eine Studie hat jetzt ermittelt, wie die Anlegerzeitschriften das Vermögen ihrer Leserschaft vernichteten.
Die Erwartungen waren nicht hoch, trotzdem führte die Studie zu einer herben Enttäuschung. Statisti-ker der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Essen wollten wissen, ob man Geld verdient, wenn man sich auf die Empfehlungen der Finanz-Fachzeitschriften verlässt. Das nieder-schmetternde Ergebnis: Die Chancen sind gering.Lediglich fünf Prozent der insgesamt 5985 Tipps aller sechs untersuchten Magazine im Zeitraum von Januar bis Juni 2001 verhalfen dem Anleger zu einem Papier mit längerfristig steigenden Kursen. Knapp ein Drittel aller Empfehlungen erwiesen sich als Nieten: Absteiger-Papiere mit stetig fallenden Notierungen. Am Ende zu Verlusten führten sogar 38,6 Prozent der empfohlenen Aktien. Darin ent-halten sind auch Papiere, die zunächst anzogen, dann aber abstürzten.Am wenigsten Nieten holten sich die Anleger ins Portfolio, die sich auf das Magazin "Börse Online" verließen. Immerhin zehn Prozent der empfohlenen Papiere entwickelten sich stetig aufwärts. Doch das half dem Anleger wenig: Ein Viertel der Empfehlungen führte zu sofortigen Verlusten.
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Immerhin schnitten die Magazine noch besser ab als ein Portfolio von 200 Aktien, das die Wissenschaftler nach dem Zufallsprinzip ausgewählt hatten. Bei dieser Kontrollsimulation hätten 46 Prozent der Käufe zu einem dauerhaften Verlust geführt. Das ist denn auch einer der Punkte, den die Redaktion von "DMEuro" an der Studie kritisiert, die unter dem Gesichtspunkt "Käufe, die zu dauerhaftem Verlust geführt haben" am schlechtesten abgeschnitten hatte. Die Wissenschaftler, so der wichtigste Einwand, hätten einen viel zu kurzen Beobachtungszeitraum zu Grunde gelegt. "Wir empfehlen Aktieninvestments grundsätzlich als Anlagen über zwölf Monate hinaus - allein schon aus steuerlichen Gründen. Investments unter zwölf Monate betrachten wir schlichtweg als Spekulation", erklärte Redakteur Elmar Peine. Damit aber blieben sich günstiger entwickelnde Kurse über einen längeren Zeitraum unberücksichtigt."DM Euro" sehe sich als Ratgeber für die richtige Anlagestrategie, erklärte Peine weiter. Das solle dem Anleger letztlich helfen, sich eine eigene Meinung zu bilden, die auch zu seinem Anlageprofil und zur Höhe seinen geplanten Investments passt. Der Eindruck der Wissenschaftler war offensichtlich ein ganz anderer. Peter von der Lippe, Leiter des Lehrstuhls Statistik an der Universität Essen, gab den Anstoß zu der Studie, weil ihm aufgefallen war, dass viele Empfehlungen in den Zeitschriften nur einmal erwähnt wurden und danach in der Versenkung verschwanden. Auffällig war auch der hohe Anteil der Kaufempfehlungen, obwohl die Kurse an den Börsen stetig nach unten gingen.Als besonders problematisch fielen von der Lippe und seinen Kollegen die so genannten Chart-Analysen auf. Mit deren Hilfe werde dem Leser suggeriert, dass Prognosen mit größerer Treffsicherheit abzugeben wären, kritisierten die Wissenschaftler - in Wahrheit entpuppten sich die Aussagen vielfach als hohle Phrasen, die "die den Leser wegen ihres mehrdeutigen und nichtssagenden Inhalts völlig allein lassen." Grundsätzlich spiele die Chart-Analyse für kurz- bis mittelfristige Kaufentscheidungen zwar in Fach-kreisen eine Rolle, weil sie die Einflüsse der Marktteilnehmer untereinander mit einbezögen, doch ohne die entsprechende Fachkenntnis könne man sie nicht zu seinem Vorteil nutzen. Die Erfolgsquote der untersuchten Zeitschriften lasse aber den Schluss zu, dass die Chart-Analyse hier nicht mit der ge-botenen Sorgfalt vorgenommen worden sei.Fazit von Andreas Kladroba, Mitautor der Studie: "Kleinanleger sollten ihr Geld lieber in sichere, wenn auch weniger renditeträchtige Anlagen stecken."
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