Anzeigenflaute: Discounter meiden Gruner-Blätter - DER SPIEGEL
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Anzeigenflaute Discounter meiden Gruner-Blätter

Gruner + Jahr profitiert kaum vom anziehenden Werbemarkt. Wachstumstreiber aus der Discountbranche meiden die Edelpostillen des Hamburger Verlagshauses. Dennoch will Konzernchef Bernd Kundrun den Umsatz in den kommenden fünf Jahren massiv steigern, eine "Innovationsoffensive" sei bereits angelaufen.
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Hamburg - Es gebe eine "Verschiebung des Werbetrends" weg vom Hochglanzmagazin, sagte Verlagschef Kundrun. Großkunden wie Elektronikketten und Discounter würben nicht in "Geo", sondern in Tageszeitungen und TV. Dem wolle man begegnen, indem "wir den Wert der Marke betonen", sagte Kundrun.

Probleme hatte Gruner + Jahr auch bei seinen US-Verlagen. Aufgrund von Managementfehlern und einer "schwierigen Kommunikation" über die wirklichen Auflagenzahlen habe es dort 2004 einen Führungswechsel gegeben.

Trotz anhaltend schwacher Anzeigen- und Vertriebsmärkte solle der Umsatz bis 2010 um 43 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro wachsen, kündigte Kundrun an. Dazu habe der Konzern im vergangenen Jahr eine "Innovationsoffensive" eingeleitet, für die er bewusst einen stagnierenden Umsatz und einen leicht zurückgegangenen Gewinn in Kauf genommen habe. Neben der Einführung neuer Titel gehörten Kundrun zufolge dazu die Mehrheitsübernahme der Motor-Presse Stuttgart sowie die Tiefdruckfusion mit Axel Springer und der Bertelsmann-Tochter Arvato.

Auch brachte Gruner + Jahr demnach im vergangenen Jahr weltweit 23 neue Titel auf den Markt, so viele wie noch nie zuvor. Dafür investierte das Haus 67 Millionen Euro. Bis 2010 will der Konzern damit allein 250 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz erzielen: "Wir glauben, dass wir mit dieser Innovationsoffensive ein sehr gutes Geschäft angestoßen haben." In den nächsten fünf Jahren wolle man weitere Grundlagen für das gleiche Volumen schaffen.

Die Investitionen drückten den Angaben nach auf das Betriebsergebnis des Verlagshauses. Vor Zinsen und Steuern verblieben dem Konzern nur 215 Millionen Euro in der Kasse nach 238 Millionen Euro im Vorjahr. Die operative Rendite sank von 9,6 auf 8,8 Prozent. Auch beim Umsatz verlor Gruner + Jahr leicht - knapp zwei Prozent auf 2,44 Milliarden Euro. Kundrun hält dennoch an seinem Kurs fest: "Wir sind finanzstark trotz der Übernahme der Motor-Presse und werden weitere Vorhaben anschieben."

2005 ist laut Kundrun "trotz der Schwierigkeiten bereits gut angelaufen". Der Markt werde dieses Jahr wiederum "einiges an neuen Titeln erleben", sagte er, ohne allerdings auf Details einzugehen. "Wir werden keine Zweifel an unserem Ziel zulassen und notfalls auch Fronten begradigen, wo es nötig ist", betonte Kundrun. Bei den Vorhaben mit Blick auf 2010 gehe es nicht um schnelle Renditemaximierung, sondern nachhaltiges Unternehmenswachstum.