Anzeigenschlacht Viel Wind um Kohle
Hamburg - Seit Oktober 2003 trommelt die Deutsche Steinkohle AG mit einer wahren Werbeflut für die eigene Sache. Mit ihrem Reklamefuror hat die Bergbautochter des Energiekonzerns RAG jetzt die Windkraftbranche gegen sich aufgebracht. Grund: Ein Anzeigenmotiv zeigt niedliche Kinderwindräder. "Sie brauchen Zeit, um groß zu werden", heißt es im dazu gehörenden Text. Soll wohl heißen: Überlasst das Strommachen lieber uns.
Die Windbauern reagierten auf die Herabsetzung entsprechend verschnupft. Allen voran empört sich die bundeseigene Deutsche Energie-Agentur (dena) als Förderer von Ökoprojekten. "Die Kohleindustrie kann gern Werbung in eigener Sache machen. Aber nicht auf Kosten der Windkraft", schimpft dena-Chef Stephan Kohler. Die Agentur hat ihrerseits eine Anzeige geschaltet. Zu sehen ist ein qualmendes Kraftwerk. "Sie brauchen Zeit, um sauber zu werden", heißt es in Anlehnung an den Spruch aus der Kohlekampagne.
"Windkraft mit Kinderspielzeug zu vergleichen, entspricht nicht den Tatsachen. Bis 2012 werden regenerative Energien einen Marktanteil von mehr als zwölf Prozent haben", erklärt Kohler. Aus seiner Sicht kommt die Attacke der Kohlefraktion zur Unzeit. Derzeit laufen intensive Gespräche zwischen Windstrom-Anbietern und Energiekonzernen darüber, wie sich die Öko-Energie besser in die Versorgung integrieren lässt. Der Vergleich von Windkraft mit Kinderspielzeug hat das Gesprächsklima nicht gerade verbessert.
Ein öffentlich ausgetragener Streit kommt auch für die Bergbaubranche ungelegen, die mit schwindender Unterstützung durch die Öffentlichkeit hadert. Erst im Sommer vergangenen Jahres setzte der Bund einen schnelleren Abbau der Subventionen durch. Seither warnt der Energiekonzern RAG mit seiner Anzeigenkampagne vehement vor dem Aus für die deutsche Kohleindustrie. Dass die Weltmarktpreise für Kohle derzeit in ungeahnte Höhe steigen, kommt den Verantwortlichen sehr gelegen. Die Rallye am Rohstoffmarkt stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der im internationalen Vergleich viel zu teuren deutschen Bergwerke.
Keck schlug RAG-Chef Werner Müller im September daher den Neubau einer Zeche in Deutschland vor - und erntete Beifall aus Berlin. Vor allem Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) zeigte sich aufgeschlossen.
Umso besorgter dürfte Kohlefreund Clement nun die Anzeigenschlacht zwischen RAG und dena beobachten. Immerhin ist der Wirtschaftsminister auch Aufsichtsratschef der Energieagentur.