AOL Europe Top-Manager Laurent geht
Luxemburg - Nach Informationen von "manager-magazin.de" hatte AOL-Präsident Philip Rowley Laurent die Leitung der Audience-Sparte angeboten. Diese Position war dem ehrgeizigen Manager offenbar nicht bedeutend genug. Unternehmenskenner halten es nun nicht für ausgeschlossen, dass Laurent in den Mutterkonzern wechselt.
Der 37-Jährige Laurent leitete bis Dezember vergangenen Jahres das Deutschland-Geschäft und schaffte es, den defizitären Internetanbieter wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Anschließend wechselte er in die Luxemburger Europa-Zentrale, sein Nachfolger hier zu Lande wurde der Schweizer Charles Fränkl, der zuvor Toppositionen bei E-Plus und Vodafone innehatte.
AOL Europe, Ableger des US-Medienkonzerns Time Warner , leidet seit geraumer Zeit unter Abonnentenschwund. Allein in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres kündigten fast 150.000 Mitglieder, die Zahl der Abonnenten in Deutschland, Großbritannien und Frankreich sank auf unter sechs Millionen.
"Unser bisheriges Geschäftsmodell hat sich überlebt"
Mit einem radikalen Strategiewechsel will AOL nun die Talfahrt stoppen. Wie Yahoo will AOL sein Portal allen Internetnutzern öffnen, statt exklusive Inhalte nur Abonnenten anzubieten. "Unser bisheriges Geschäftsmodell hat sich überlebt", unterstreicht Fränkl gegenüber "manager-magazin.de". AOL Europe teilt das Geschäft künftig in zwei Bereiche auf: Access (Internetzugang) und Audience (Inhalte, Suchmaschinen, Anzeigen, Bezahldienste)
In Deutschland wird die Neuordnung ebenfalls vollzogen. Thomas Hohlfeld, bislang zuständig für die Kundenbetreuung, übernimmt den Bereich Access. Für Audience ist Torsten Ahlers zuständig, der vorher die Werbevermarktung leitete.
Karen Thomson wird AOL-Europe-Chefin
Fränkl verfolgt in Deutschland ehrgeizige Pläne. Derzeit verhandelt er mit der Festnetztochter der Deutschen Telekom T-Com, um Zugang zum neuen VDSL-Netz zu erhalten. "Erst wenn wir im superschnellen Netz sind, lohnt es sich für uns, auch Videostreaming anzubieten", so Fränkl.
Zudem führt Fränkl mit allen deutschen Mobilfunkbetreibern (T-Mobile, Vodafone, O2, E-Plus) Gespräche, um möglichst schon in der zweiten Jahreshälfte einen eigenen Mobilfunkservice anbieten zu können. Internet, Breitbandzugang, Mobilfunk - mit Triple Play schickt AOL sich an, zu einem gewichtigen Spieler in diesem Markt zu werden.
Im Zuge der Reorganisation wird Philip Rowley Chairman von AOL Europe. Die Position des Präsidenten übernimmt Karen Thomson, bislang AOL-Chefin in Großbritannien.