AOL: Manager unter Insider-Verdacht - DER SPIEGEL
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AOL Manager unter Insider-Verdacht

AOL Time Warner ist auf dem besten Wege, sein Saubermann-Image zu verlieren. Der Verdacht auf Bilanzmanipulationen durch zweifelhafte Tauschgeschäfte mit WorldCom steht bereits im Raum. Jetzt geraten die Manager möglicherweise wegen Insidergeschäften mit AOL-Papieren ins Visier der Fahnder.
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London - Der Vorwurf klingt vertraut: Während die Manager gegenüber den Anlegern noch die Klasse ihres Unternehmens anpreisen, um den Aktienkurs auf hohem Niveau zu halten, steigen sie selbst bereits wieder aus und kassieren satte Gewinne.

Jetzt also AOL Time Warner: Nach einem Bericht der "Financial Times" sollen 15 Führungskräfte, darunter AOL-Gründer Steve Case und der jetzige Vorstandschef Richard Parsons, Aktien des fusionierten Medienkonzerns unmittelbar vor dem Kursrutsch verkauft haben und dabei rund 500 Millionen Dollar verdient haben. Allein Case soll dabei nach "FT"-Informationen rund 100 Millionen Dollar kassiert haben, der im Juli als Chief Operation Officer (COO) zurückgetretene Robert Pittmann habe 66 Millionen Dollar eingenommen. Beinahe bescheiden nimmt sich danach die Summe von 21 Millionen Dollar aus, die Parsons eingestrichen haben soll.

Inzwischen sollen die SEC-Börsenaufseher ihre Untersuchungen, die sich ursprünglich nur auf die ominösen Tauschgeschäfte mit dem inzwischen insolventen Mobilfunkanbieter WorldCom konzentrierten, ausgeweitet haben. Argwohn entwickelten die Ermittler offenbar, weil die verdächtigen Manager just in den "Hauptverkaufsmonaten" zwischen Februar und Juni 2001 mit auffällig positiven Unternehmensmeldungen Aufsehen erregten. Wiederholt hatten Case und seine Kollegen betont, dass sie die sehr ehrgeizigen und mehr als ein Jahr zuvor angekündigten Umsatz- und Gewinnziele erreichen könnten.

Bis Mai 2001 trieben sie den Kurs der Aktie auf diese Weise bis auf 56,60 Dollar. Danach jedoch bekamen offenbar mehr und mehr Anleger Zweifel, ob sich die exorbitanten Gewinnankündigungen tatsächlich realisieren lassen könnten. Die Aktie ging auf Talfahrt und angesichts der Kette von Skandalmeldungen spricht wenig dafür, dass sie so schnell beendet sein wird. Am Donnerstag schloss das Papier etwas über 14 Dollar.

Noch bevor die SEC die Ermittlungen einleitete, hatten verbitterte Aktionäre, die zu lange an dem Unternehmen festgehalten hatten eine private Sammelklage eingereicht. In ihrer Klageschrift äußern deren Anwälte den Verdacht, "gewisse Firmeninsider verkauften Zehntausende von AOL-Aktien mit enormem Gewinn", weil sie über "anderslautende nicht öffentliche Informationen verfügten".

Offiziell wollte sich die SEC bislang noch nicht zu den Ermittlungen äußern. Auch AOL Time Warner verweigerte gegenüber der "FT" eine Stellungnahme mit Hinweis auf das laufende Verfahren.