AOL Medienriese spürt die Anzeigenflaute
New York - Der Gewinn vor Sonderposten und Goodwill betrage 32 Cent pro Aktie nach pro forma 23 Cent im Vorjahreszeitraum, teilte AOL Time Warner am Mittwoch mit. Der Umsatz sei um drei Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar gestiegen. Analysten hatten allerdings mit 9,74 Milliarden Dollar gerechnet. Für das Gesamtjahr bekräftigte der Konzern frühere Umsatzprognosen von 40 Milliarden Dollar. Die AOL-Time-Warner-Anteile verloren bis zum Abend 4.75 Dollar und lagen bei 44.70 Dollar.
Der ausgewiesene Gewinn von 32 Cent je Aktie übertraf die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten von nur 28 Cent. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei im Berichtszeitraum um 20 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar gestiegen, teilte AOL Time Warner weiter mit. Unter Berücksichtigung der Abschreibungen verzeichnete der Anfang des Jahres fusionierte Konzern allerdings einen Verlust von 734 Millionen Dollar oder 17 Cent je Aktie. Die Vorjahreszahlen basieren auf Pro-Forma-Annahmen.
Der Zusammenschluss von AOL und Time Warner hatte ein Volumen von mehr als 106 Milliarden Dollar. Zu dem Konzern gehören der Internet-Dienst AOL, der TV-Kabelsender CNN, die Zeitschrift "Time" und das Musikunternehmen Warner, das Stars wie Madonna und Eric Clapton unter Vertrag hat.
Rückläufige Werbeeinnahmen
Analysten werteten den geringer als erwartet ausgefallenen Umsatzzuwachs als Zeichen dafür, dass AOL Time Warner die rückläufigen Werbeausgaben und das sich verlangsamende Wirtschaftswachstum zu spüren bekommt. Der gesamte Werbe- und Handelsumsatz legte nur um ein Prozent zu. Der Internetdienstleister AOL und die Kabelfernsehsparte Time Warner Cable wuchsen dagegen um 26 beziehungsweise 19 Prozent.
Konzernchef Gerald Levin bekräftigte am Mittwoch frühere Prognosen zur Geschäftsentwicklung des gesamten Jahres. AOL Time Warner werde sein Ziel für 2001 von 40 Milliarden Dollar Umsatz und elf Milliarden Dollar Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erreichen, sagte Levin. Es zeichne sich zudem ab, dass sich der Werbemarkt der Talsohle nähere. Das sei deutlich zu erkennen. Wieder steigende Werbeausgaben sehe er allerdings noch nicht, fügte Levin in einem Telefoninterview hinzu.