AOL Streichkonzert in Deutschland
Hamburg - Der weltweit größte Internetanbieter AOL streicht in Deutschland möglicherweise mehr als die im Dezember angekündigten 170 Arbeitsplätze. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf AOL-Kreise meldet, werden 200 der insgesamt 1250 Stellen wegfallen.
Am Standort München sollen bis Mitte nächster Woche alle 80 Mitarbeiter ihre Auflösungsverträge unterschreiben, Andernfalls drohe ihnen die Kündigung. "Ende März gehen an der Isar die Lichter aus", sagte ein AOL-Manager dem Magazin.
In der Hamburger Zentrale verlieren zeitgleich etwa 120 der bundesweit bisher noch 1250 Beschäftigten ihren Job. AOL-Sprecher Jens Nordlohne bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass beide Standorte betroffen seien.
AOL Time Warner hatte für 2002 einen Rekordverlust von 91,9 Milliarden Euro (98,7 Milliarden Dollar) gemeldet. Fast die Hälfte davon sind Wertberichtigungen für die Internettochter AOL Online und den Kabelfernsehbereich zuzuschreiben. Allein diese Maßnahmen führten im vierten Quartal zu einem Verlust von 44,9 Milliarden Dollar.
Das Restrukturierungskonzept für den deutschen Ableger sieht vor, dass drei Technikabteilungen zusammengelegt sowie die Onlineredaktion verkleinert und von der Werbevermarktung deutlich getrennt werden. Laurents Ziel: AOL Deutschland soll endlich die Gewinnzone erreichen.
Laurent schwenkt strategisch indes in Richtung Unterhaltungsportal um. Vor allem für Breitbandangebote sollen Inhalte zur Verfügung gesellt werden. Dabei will der Manager nicht nur auf die Angebote des eigenen Konzerns zurückgreifen. "Wir reden mit deutschen Medienhäusern konkret über Partnerschaften", sagte Laurent unlängst der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Künftig gehen die Inhalte weniger in die Breite, stattdessen ist Tiefe gefragt. "Wir haben in der Vergangenheit versucht, sehr viele Themen aufzubereiten von Gesundheit über Nachrichten bis zum Sport", zitiert das Blatt Laurent. Nun wolle sich AOL auf wenige Themen konzentrieren, diese aber genauer aufbereiten.