AOL Time Warner: Megaverlust nach Megafusion - DER SPIEGEL
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AOL Time Warner Megaverlust nach Megafusion

Die Fusion von AOL und Time Warner hatte alle bisherigen Firmenzusammenschlüsse klein aussehen lassen. Mit knapp 100 Milliarden Dollar hat der Medienkonzern nun auch den größten Jahresverlust der US-Firmengeschichte eingefahren. Großaktionär Ted Turner zieht sich entnervt zurück, die Aktie bricht nachbörslich ein.
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New York - Der Verlust des Unternehmens belief sich 2002 auf insgesamt 98,7 Milliarden Dollar. Fast die Hälfte davon ist Wertberichtigungen für die Internettochter AOL Online und den Kabelfernsehbereich zuzuschreiben. Allein diese Maßnahmen führten im vierten Quartal zu einem Verlust von 44,9 Milliarden Dollar. Für Probleme sorgt vor allem der Internetdienst AOL, der seit der Fusion 2001 unter rückläufigen Werbeeinnahmen und einer geringen Zunahme der Abonnentenzahlen leidet.

Zugleich kündigte der Konzern das Ausscheiden seines Vize- Vorsitzenden, des CNN-Gründers Ted Turner, an. "Es ist Turner nicht gelungen, den Konzern in die von ihm gewünschte Richtung zu steuern", sagte Vermögensverwalter Harold Vogel. "Jetzt braucht er bei seiner Kritik kein Blatt mehr vor den Mund nehmen."

Der 64 Jahre alte Turner besitzt 132,5 Millionen oder 3,1 Prozent der frei gehandelten AOL Time Warner-Aktien. Er ist damit der größte Einzelaktionär. Sein Aktienpaket ist inzwischen nur noch 1,85 Milliarden Dollar wert - vor dem Zusammenschluss von AOL und Time Warner waren es noch 7,2 Milliarden Dollar.

Turner und viele anderen Beobachter hatten immer wieder erklärt, dass der im Januar 2001 erfolgte Zusammenschluss von AOL und Time Warner ein Fehler gewesen sei. Die Börse bestätigte dies auch am Mittwochabend: AOL Time Warner fielen im nachbörslichen Handel um 10 Prozent auf 12,57 Dollar. Seit dem Zusammenschluss sind die Titel um 78 Prozent abgestürzt.

"Der Rücktritt ist mir nicht leicht gefallen", erklärte Turner in einer Pressemitteilung. "Wie Sie wissen ist dieses Unternehmen ein wichtiger Teil meines Lebens seit 50 Jahren". Wie eine Firmensprecherin sagte, wird Turner Mitglied des Verwaltungsrates bleiben.

Vor seinem Abgang hatte Turner noch die beiden Architekten der Megafusion aus dem Amt gedrängt. Der ehemalige Time Warner-Chef Gerald Levin musste schon vor mehreren Wochen gehen, AOL-Gründer Steve Case, der noch Chairman des Konzerns ist, wird wie Turner im Mai ausscheiden. Vorstandschef Richard Parsons wird Case ablösen und beide Ämter bekleiden.