Apotheken: Was der neue Besitzer mit DocMorris vor hat - DER SPIEGEL
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Apotheken Was der neue Besitzer mit DocMorris vor hat

Es könnte der Start zu einer Revolution auf dem deutschen Apothekenmarkt sein: Nach dem Verkauf von DocMorris plant der neue Besitzer Celesio eine ehrgeizige Expansion. Deutsche Apotheker rüsten sich für harte Zeiten.
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Hamburg – Celesio kam mit dem Kauf von DocMorris anderen Firmen zuvor. Drogerieketten wie Schlecker, dm oder Rossmann und ausländische Konzerne würden bei einer Liberalisierung des Marktes gerne eigene Apothekenketten aufziehen.

Celesio kann auf Erfahrungen im Ausland zurückgreifen: Der Tochter des Haniel-Mischkonzerns gehören mehr als 2000 Apotheken - 1600 davon in Großbritannien ("Lloydspharmacy"). Der Einzelhandel sorgt für rund 15 Prozent des Celesio-Umsatzes von 22 Milliarden Euro - der Rest kommt größtenteils aus der Belieferung von Apotheken.

Celesio übernahm rund 90 Prozent der Anteile von DocMorris, die übrigen knapp zehn Prozent halte das Management von DocMorris. Die Kartellbehörden müssen dem Erwerb noch zustimmen. Den Einstieg lässt sich Celesio Kreisen zufolge rund 200 Millionen Euro kosten. Branchenexperten sehen das als angemessen an. Die Verkäufer, Risikokapitalgeber um 3i und HgCapital, machen einen guten Schnitt. Sie hatten einem Insider zufolge 15 Millionen Euro in DocMorris investiert.

"Stärkste Marke"

Mit dem Schritt bereite sich Celesio auf die Öffnung des deutschen Apothekenmarkts vor, sagte Konzernchef Fritz Oesterle. "Es musste für uns selbstverständlich sein, die mit Abstand stärkste deutsche Apothekenmarke für uns zu sichern und sie nicht ausländischen Interessen oder apothekenfernen Unternehmen auszuliefern." Bislang verbietet ein Gesetz in Deutschland Ketten mit mehr als vier Filialen, zudem müssen Apotheken von gelernten Pharmazeuten geführt werden. Der Europäische Gerichtshof prüft derzeit dieses Mehr- und Fremdbesitzverbot. Sollte es fallen, steht der Branche ein Umbruch bevor.

DocMorris versucht seit längerem, eine Apothekenkette unter dem eigenen Logo zu gründen. "Eigentlich gab es immer ein latentes Interesse an DocMorris", sagte der Gründer und Chef der Versand-Apotheke, Ralf Däinghaus. "Das ist aber explodiert, als wir uns Anfang des Jahres entschieden haben, eine Apothekenkette aufzubauen."

Apotheker: "Die Maske ist gefallen"

DocMorris sorgt seit Jahren in der Branche für Aufregung, häufig landeten die Streitigkeiten vor Gericht. So liefen die Apotheker vor einigen Monaten Sturm, als die Firma im Saarland eine Filiale eröffnete, um ihre Arzneien von einem deutschen Standort aus verschicken zu können. DocMorris hat seinen Sitz aus rechtlichen Gründen in den Niederlanden.

Den Großteil des Umsatzes von zuletzt 172 Millionen Euro erwirtschaftet die profitable Firma aber mit deutschen Kunden. Seit diesem Jahr vergibt DocMorris Franchise-Lizenzen an unabhängige Apotheker in Deutschland. Bis zum April hätten bereits 20 Apotheken aus sieben Bundesländern eine solche Markenpartnerschaft geschlossen. In drei bis fünf Jahren soll es Däinghaus zufolge 500 "DocMorris-Apotheken" geben, sagte Däinghaus.

Oesterle verteidigte den Kauf: "Wir setzen damit ein klares Zeichen gegen Discountanbieter und apothekenferne in- und ausländische Interessenten." Das kann die deutschen Apotheker nicht besänftigen. "Die Maske ist gefallen. Die Celesio AG positioniert sich gegen die eigenverantwortliche Apotheke", sagte der Präsident der Apothekerverbände (ABDA), Heinz-Günter Wolf. Sie fürchten, dass ihr eigener Medikamenten-Lieferant ihnen künftig Konkurrenz macht. Verbraucherschützer erwarten durch Apothekenketten sinkende Preise. "Es besteht aber auch die Gefahr, dass dann die Pluralität bei den Lieferanten nicht mehr gewährleistet ist", warnt der Verbraucherzentrale Bundesverband.

"Taktisch klug"

Die Celesio-Aktionäre fanden auf der Hauptversammlung in Stuttgart viele lobende Worte für den angekündigten, noch unter Kartellvorbehalt stehenden Zukauf. "Damit hat Celesio den in Deutschland wohl stärksten Mitbewerber aufgekauft", sagte ein Aktionär. Rainer Schad von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erklärte: "Das ist taktisch ein sehr kluger Schritt, der unsere Gesellschaft auch im Bereich des Direktvertriebs positioniert."

In das gleiche Horn stießen Branchenexperten. "Die Übernahme macht Sinn, den Preis würde ich nicht als überzogen bezeichnen, da die Marke DocMorris sehr bekannt ist", sagte Carsten Kunold von Merck Finck. "Früher oder später wäre DocMorris wohl ohnehin an einen der drei großen Player - Phoenix, Alliance Boots oder Celesio - gegangen".

Die Kunden könnten wie gewohnt auch künftig ihre Medikamente bei der DocMorris Versandapotheke bestellen.

Aus einem anderen von Celesio geplanten Zukauf wird nach Oesterles Einschätzung wohl nichts. "Es deutet nichts darauf hin, dass Alliance Boots zerschlagen wird", sagte er. Celesio hatte darauf spekuliert, dass der britische Konkurrent nach der Übernahme durch die US-Beteiligungsgesellschaft KKR Teile verkaufen werde.

itz/Reuters/dpa