Appell im Bahn-Streit Mehdorn will kurzfristig mit Schell sprechen
Hamburg - Erst rüde Worte, dann ein versöhnlicher Ton: Gestern hatte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn den Streik der Lokführergewerkschaft GDL noch mit einem "Krieg" verglichen, heute bemühte er sich nun um einen milderen Sprachgebrauch: "Niemand stellt die Existenz der GDL in Frage", erklärte Mehdorn in Berlin. Er reagierte damit auf Äußerungen von GDL-Chef Manfred Schell, wonach es den Anschein habe, als wolle die Bahn seine Gewerkschaft "eliminieren".
Gleichzeitig appellierte Mehdorn an die GDL, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Wir sind dazu auch kurzfristig bereit." Der Bahn-Chef betonte, dass er den Lokführerstreik nicht mit einem Krieg gleichsetze. Gestern hatte er gesagt, wenn jemand "in den Krieg durch Streik ziehen will", könne er dies nicht verhindern.
"Es geht einzig und allein darum, Forderungen abzuwehren, die das Unternehmen wirtschaftlich nicht verkraften kann", sagte Mehdorn. "Und es geht darum, eine Spaltung der Belegschaft in Mitarbeiter erster und zweiter Klasse zu verhindern."
Ob der Bahn-Chef damit den richtigen Ton trifft? Für die Mehrheit der Deutschen ist er jedenfalls der Buhmann - die Sympathien gelten den Lokführern. Das geht aus einer heute veröffentlichten Umfrage für den "Stern" hervor. Demnach sagten 55 Prozent der Befragten, sie halten die Streiks für richtig. 40 Prozent lehnen die Arbeitsniederlegungen ab. Vor allem Anhänger der Unionsparteien sowie der FDP sprachen sich gegen die Streiks aus.
Befragt wurden am Donnerstag und Freitag der vergangenen Woche rund 1000 Bundesbürger. Die Lokführergewerkschaft GDL hatte am letzten Freitag für drei Stunden im Nah- und Regionalverkehr gestreikt.
In dieser Woche haben die Lokführer ganztägige Streiks im Nah- und Regionalverkehr ab morgen angekündigt. Außerdem könnte auch am Freitag sowie am Montag und Dienstag der kommenden Woche die Arbeit niedergelegt werden.
Details möchte die GDL heute um 16 Uhr bekannt geben. Schon gestern hatte die Gewerkschaft erklärt, dass sie die Bahnkunden nicht mehr langfristig vorwarnen werde. Bisher hatte die GDL ihre Arbeitskampfmaßnahmen mindestens 24 Stunden im Voraus bekannt gegeben. Nun will sie sich jeweils erst am Spätnachmittag des Vortages äußern, um so den Druck auf die Bahn zu erhöhen.
wal/AP/AFP/dpa