Apple-Affäre Anleger klagen wegen Aktienoptionen
Berlin - Die verklagten Manager hatten knapp eine Million Aktienoptionen erhalten, deren Wert einen Tag später um üppige 48 Prozent gestiegen war, wie die "Los Angeles Times" berichtet. Nach Überzeugung der Kläger kam der Kurssprung keineswegs überraschend, denn just an diesem Tage hatte Apple-Gründer Steve Jobs die Öffentlichkeit darüber informiert, dass Apple künftig mit dem einstigen Intimfeind Microsoft kooperieren werde.
Microsoft hatte sich für Jobs' Bereitschaft, den "Internet Explorer" künftig auf Apple-Computern zu installieren, mit einer Finanzspritze in Höhe von 150 Millionen Dollar revanchiert - und nach Einschätzung nicht weniger Fachleute dazu beigetragen, dass der um seine Existenz ringende Apple-Konzern den Turnaround schaffte.
Sollten die Kläger beweisen können, dass die Manager von Jobs' Coup wussten, dann könnte damit unter Umständen auch der Tatbestand des Insidergeschäfts erfüllt sein - ein Vergehen, dem in den USA mit weit weniger Langmut begegnet wird, als dem der Umdatierung von Optionszuteilungen. Die Optionen seien ein Beispiel für die "Nehmen-was-geht-Mentalität", die zu dieser Zeit in der von Jobs geschaffenen Unternehmenskultur aufgeblüht sei, heißt es in der Klageschrift.
"Der Firma ging es schlecht, das Geld war knapp", sagte Klägeranwalt Mark Molumphy dem Blatt. Aktienoptionen seien das wichtigste Mittel geworden, um Spitzenkräfte im Unternehmen zu halten.
Apple selbst wollte zu dem Verfahren keine Stellung abgeben.
Kurz vor Weihnachten hatte der Computerhersteller Jobs in einer internen Untersuchung von wesentlichen Vorwürfen entlastet. Danach könne man dem Apple-Management kein Fehlverhalten vorwerfen, obwohl bei der Zuteilung von Aktienoptionen an Manager zwischen 1997 und 2001 Unregelmäßigkeiten aufgetaucht seien. Dabei seien die Daten der Optionen rückdatiert worden, damit die Halter beim Verkauf größere Gewinne erzielen. Insgesamt seien Apple durch die unrechtmäßige Praxis Kosten von rund 84 Millionen Dollar entstanden.
In einigen Fällen habe Jobs aber von den Rückdatierungen gewusst oder sie sogar empfohlen. Finanziell habe er jedoch nicht von den Manipulationen profitiert, betonte das Unternehmen. Apple habe deshalb "vollstes Vertrauen" in seinen CEO.
Die Untersuchung und die Korrektur der Geschäftszahlen hatte der Computerkonzern auf eigenes Betreiben hin unternommen, nachdem die Börsenaufsicht Ermittlungen eingeleitet hatte.
Insgesamt laufen in den USA derzeit Ermittlungen gegen rund 160 Unternehmen wegen des Verdachts, dass diese durch options- backdating die Entlohnung von Managern gesteigert haben. Mehrere US-Führungskräfte sind im Zusammenhang mit der Affäre bereits zurückgetreten. So gab auch der Apple-Aufsichtsrat und frühere Finanzvorstand Fred Andersen im Zuge der Affäre sein Amt auf.
mik/mit Material von Reuters