Arbeitgebertraum Urlaub nur dann, wenn der Chef will
Berlin - "Im Moment nehmen wir Urlaub, wenn Reisen am günstigsten sind", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in einem Interview - und trifft damit angesichts von steigenden Preisen in der Hauptsaison wohl nicht wirklich ins Schwarze.
Aus seiner These aber leitet der Funktionär noch eine Folgerung ab. "Möglicherweise müssen wir in Zukunft dann Urlaub machen, wenn es die Auftragslage erlaubt", so Wansleben weiter in der "Financial Times Deutschland". Was er nicht sagte: Über den passenden Zeitpunkt für Urlaub würden dann wohl vor allem diejenigen entscheiden, die die Auftragslage am besten kennen - die Chefs.
Einfach die Wochenarbeitszeit zu erhöhen, das reiche jedenfalls nicht aus, um im Wettbewerb mithalten zu können, so Wansleben. Seine Begründung: Die internationale Konkurrenz werde immer stärker.
"Gezwungen, sich in einer Grauzone zu bewegen"
Mit dem Gedankenspiel heizt Wansleben die Debatte über längere Arbeitszeiten weiter auf. Die gärt ohnehin, seitdem Siemens vergangene Woche auf die Verlegung von 2000 Jobs gen Ungarn verzichtet hatte - nachdem Betriebsräte und IG Metall der Rückkehr zur 40-Stunden-Woche zugestimmt hatten.
Diese Einigung "macht Hoffnung, dass in Deutschland Strukturen aufbrechen", so Wansleben. Ausreichend sei sie nicht. Viele Mittelständler ließen ohnehin längst wieder 40 Stunden arbeiten, um überhaupt noch existieren zu können. "Der Skandal ist, dass sie gezwungen sind, sich in einer rechtlichen Grauzone zu bewegen", sagte er und fügte an: "Wenn wir wählen können zwischen Arbeitsplatzverlust und Mehrarbeit, dann wird die breite Bevölkerung sich für 40 statt 35 Stunden entscheiden."