Arbeitskampf: IG Metall zündet zweite Stufe - DER SPIEGEL
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Arbeitskampf IG Metall zündet zweite Stufe

Gerhard Schröders Ruf nach einem schnellen Ende des Metaller-Streiks verhallt ungehört. Die IG Metall will das neue Modell des Flexi-Streiks ab Montag auch in Berlin und Brandenburg erproben.
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Frankfurt am Main/Stuttgart/Berlin - Zwei Tage nach dem Beginn der Arbeitsniederlegungen in Baden-Württemberg hat der Vorstand der Gewerkschaft in Frankfurt beschlossen, von kommender Woche an im Bezirk Berlin-Brandenburg 25 Betriebe zu bestreiken. Rund 10.000 Beschäftigte sollten in die jeweils eintägigen Arbeitsniederlegungen einbezogen werden. In Baden-Württemberg blieben nach Gewerkschaftsangaben am dritten Streiktag rund 13.000 Beschäftigte in 33 vorwiegend mittelständischen Betrieben ihren Arbeitsplätzen fern. Am Freitag sind 3500 Mitarbeiter in 13 Betrieben zum Streik aufgerufen.

Die Arbeitgeber der Metall- und Elektrobranche ließen weiter keine Bereitschaft für ein neues Angebot erkennen, hieß es vom IG Metall-Vorstand zur Begründung für die Verschärfung des Arbeitskampfes. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sagte: "Wir streiken nicht den Aufschwung kaputt. Wir streiken für den Aufschwung." Welche Betriebe schon am Montag betroffen sind, wollte die IG Metall noch nicht mitteilen.

"Spiel mit dem Feuer"

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall forderte die IG Metall auf, die erneuten Produktionsrückgänge in der Metall- und Elektrobranche zur Kenntnis zu nehmen. Die Arbeitgeber in Berlin-Brandenburg sprachen von einem "Spiel mit dem Feuer". Schon jetzt stünden bis Jahresende 2500 Arbeitsplätze zur Disposition, ein Streik könne weiteren Job-Abbau nach sich ziehen.

IG-Metall-Vize Jürgen Peters bekräftigte, die Gewerkschaft werde die Tarifgespräche für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche erst wieder aufnehmen, wenn die Arbeitgeber ihr bisheriges Angebot von Einkommenserhöhungen um 3,3 Prozent und einer Einmalzahlung von 190 Euro nachbesserten. Die IG Metall hatte ihre ursprüngliche Forderung von 6,5 Prozent in den Tarifgesprächen auf vier Prozent gesenkt.

"Unhaltbarer Zustand"

In Gewerkschaftskreisen hieß es, es sei noch nie so schwierig gewesen, die Strategie der Arbeitgeber einzuschätzen. Die IG Metall werde an den Verhandlungstisch zurückkehren, "wenn es ein klares Signal der Arbeitgeber gibt, dass sie sich bewegen wollen". Dies müsse noch kein konkretes Angebot sein.

Gesamtmetall ließ bislang keine Bereitschaft zu einem höheren Angebot erkennen. Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser verwies darauf, dass die Produktion der Metall-und Elektrobranche im März gegenüber dem Februar um drei Prozent gesunken sei, gegenüber März 2001 sogar um acht Prozent. "Unsere Firmen stecken mitten in einer schweren Rezession und werden jetzt obendrein noch bestreikt. Das ist ein absolut unhaltbarer Zustand", sagte Kannegiesser.

Verdi plant weitere Warnstreiks

Mit der Ausweitung der Streiks auf Ostdeutschland erteilte die Gewerkschaft den Appellen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für eine rasche Beilegung des Arbeitskampfes eine Absage. Stattdessen wurden auch die Warnstreiks fortgesetzt, unter anderem in Nordrhein-Westfalen.

Die Tarifverhandlungen für 220.000 Beschäftigte in der Druckindustrie wurden in der vierten Runde trotz erster Annäherungen vorzeitig auf kommenden Dienstag vertagt. Die Gewerkschaft Verdi kündigte zugleich für kommende Woche weitere Warnstreiks an. Bei den ursprünglich auf zwei Tage angesetzten Gesprächen kamen die Arbeitgeber der Gewerkschaft in zwei Punkten entgegen. Anstelle eines für zwei Jahre geltenden Abschlusses seien die Arbeitgeber jetzt auch zu einer Vereinbarung für ein Jahr bereit, sagte ein Verdi-Sprecher. Für diesen Zeitraum sei eine Erhöhung des Angebots von bisher 2,5 Prozent auf bis zu 2,8 Prozent mehr Lohn und Gehalt offeriert worden. Dies sei noch immer deutlich zu wenig. Verdi fordert wie die IG Metall 6,5 Prozent.