Arbeitskampf Kompromiss in Hamburg, Stillstand in Stuttgart
Stuttgart - Sowohl die Gewerkschaft Ver.di als auch die Arbeitnehmer schlossen am Abend ein Scheitern der Gespräche in Stuttgart nicht aus. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen boten die Arbeitgeber bei der Arbeitszeit ein Volumen von wöchentlich 39,5 Stunden an. Ver.di lehnt dies offenbar ab. Die Vertreter der Gewerkschaft erbaten sich zunächst eine Auszeit und wollen im weiteren Verlauf des Abends erneut mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband Baden-Württemberg (KAV) zusammentreffen.
Arbeitgeber haben zuletzt ein neues Angebot vorgelegt. Es enthält nach Informationen aus der Verhandlungsdelegation ein nach Altersgruppen gestaffeltes Arbeitszeitmodell mit einem Gesamtvolumen von durchschnittlich 39,5 Stunden pro Woche. Damit sind die Arbeitgeber von ihrer Maximalforderung einer 40-Stunden-Woche abgerückt. Ver.di selbst soll zuletzt ein Arbeitszeitvolumen von 38,8 Wochenstunden ins Spiel gebracht haben.
Den Streik bereits beendet haben die Tarifparteien heute in Hamburg. Nach Angaben des Hamburger Ver.di-Bezirksleiters Wolfgang Rose stimmten bei einer Urabstimmung 42 Prozent für die Einigung. Damit ist der rund zweiwöchige Ausstand in der Hansestadt beendet.
Der Kompromiss sieht vor, die Arbeitszeit künftig nach drei Kriterien zu staffeln: Neben dem Einkommen spielen auch das Lebensalter und die Zahl der Kinder eines Beschäftigen eine Rolle. Ver.di und die Tarifgemeinschaft der Länder (TDL) betonten aber, es handle sich nicht um einen Pilotabschluss für andere Kommunen und für die Länder.
Der Vertreter der Arbeitgeberseite, der Vorstandsvorsitzende der Arbeitsrechtlichen Vereinigung Hamburgs, Volkmar Schön, sagte, es gebe bei dem Kompromiss "weder Gewinner noch Verlierer". Verdi-Bezirksleiter Rose sprach von einem "innovativen" Modell.
Konkret sieht die Einigung für die etwa 20.000 Beschäftigten in städtischen Betrieben Hamburgs eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 38,8 Stunden vor. In den unteren Einkommensgruppen wird weiterhin nur 38,5 Stunden gearbeitet. Dadurch sollen Geringverdiener, die in der Regel körperlich härtere Arbeit leisten, entlastet werden. Auch Eltern von Kindern unter zwölf Jahren und Ältere sollen kürzer arbeiten.
suc/ddp/AFP