Arbeitskampf: Mehrheit der Deutschen gegen Ver.di-Streik - DER SPIEGEL
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Arbeitskampf Mehrheit der Deutschen gegen Ver.di-Streik

Der Streik im öffentlichen Dienst gegen eine Arbeitszeitverlängerung im Westen wird in der Bevölkerung zunehmend kritisch gesehen. Anfang kommender Woche wollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erneut verhandeln.
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Mainz/Berlin - Nur 42 Prozent der Bundesbürger halten den Ausstand im Öffentlichen Dienst für richtig, 55 Prozent lehnen ihn ab. Dies ergab eine für die Wahlbevölkerung repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF. Gewerkschaftsmitglieder unterstützen den Streik dagegen mehrheitlich mit 66 Prozent. Befragt wurden 1260 Bürger in der Zeit vom 14. bis 16. Februar.

Wie die Umfrage ergab, unterstützen die Deutschen die Verlängerung der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden ebenfalls mit 55 Prozent; 42 Prozent lehnen dies ab. 45 Prozent der Befragten glauben, dass eine solche Erhöhung der Arbeitszeit auch zu einem Wegfall von vielen Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst führen wird.

Damit verlieren die Arbeitskämpfer im Öffentlichen Dienst zusehends die Unterstützung in der Bevölkerung. Eine am Mittwoch veröffentliche Umfrage hatte noch ergeben, dass eine knappe Mehrheit der Deutschen Verständnis für den Streik habe.

Verhandlungen am Montag

Vor dem Spitzengespräch im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes am Montag hat die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di erneut mit massiven Streiks Druck auf die Arbeitgeber gemacht. Heute sollen in acht Bundesländern mehrere Tausend Beschäftigte die Arbeit niederlegen.

Schwerpunkte sind wie in den vergangenen Tagen Baden-Württemberg und Niedersachsen, wo Betriebe des Landes und auch der Kommunen von dem Ausstand betroffen sind. Gestern hatten sich 33.000 Arbeitnehmer an dem Arbeitskampf beteiligt. Die Verhandlungsführer von Ver.di und der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) wollen am Montag an einem bislang geheim gehaltenen Ort zu einem Spitzengespräch zusammenkommen.

Die Gewerkschaft will mit dem Arbeitskampf vor allem die Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden verhindern. Der TdL-Vorsitzende und niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) nannte den Arbeitskampf im ZDF "unverständlich". Er forderte erneut Öffnungsklauseln für die Regelung der Arbeitszeiten.

Möllring verwies zur Begründung der Länderforderungen unter anderem darauf, dass in den neuen Bundesländern die 40-Stunden-Woche gelte. "Was im Osten richtig ist, kann im Westen nicht falsch sein", sagte der TdL-Vorsitzende. Er versicherte zudem, dass die Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst "absolut sicher" seien. Verdi sieht bei einer Verlängerung der Arbeitszeit Tausende von Arbeitsplätzen in Gefahr.

suc/AP/AFP