Arbeitskampf Streik bedroht Boeing-Flugzeugbau
Seattle - 18.300 Verkehrsflugzeugtechniker könnten ab Freitag bei Boeing die Arbeit niederlegen. Die Technikergewerkschaft IAM (International Association of Machinists & Aerospace Workers) hat ihren Mitgliedern die Ablehnung des jüngsten Tarifangebots des Konzern nahe gelegt und einen Streik empfohlen.
Lehnen zwei Drittel der Gewerkschaftsmitglieder das Tarifangebot in einer Urabstimmung heute ab, könnte die Gewerkschaft mit Auslaufen des alten Tarifabkommens in der Nacht zum Freitag mit dem Ausstand beginnen. Die Gewerkschaft verlangt vor allem weitaus bessere Betriebsrenten, lehnt Kürzungen bei der betrieblichen Krankenversicherung ab und fordert eine bessere Sicherung der Arbeitsplätze.
Alan Mulally, Chef der Verkehrsflugzeugsparte Boeing Commercial Airplanes, zeigte sich hingegen "stolz" über das Angebot für einen neuen dreijährigen Tarifvertrag. Boeing betonte, dass die Betriebsrenten um zehn Prozent aufgestockt werden sollten. Es würden über drei Jahre zusätzlich 15.400 Dollar in Form von Gehaltserhöhungen, einmaligen Zahlungen und Leistungsprämien gezahlt. Der Lohnanstieg betrage dabei über drei Jahre 5,5 Prozent. Die Techniker würden im Schnitt am Ende des neuen Tarifabkommens jährlich 62.500 Dollar verdienen.
Die Arbeitnehmervertreter lehnten die Tarifofferte dennoch als "beleidigend" ab. Beobachter sehen die Techniker in einer starken Position. Boeing erlebt momentan einen starken geschäftlichen Aufschwung mit steigendem Auftragseingang für Verkehrsflugzeuge. Deshalb käme der ein Ausstand zu einer äußerst ungünstigen Zeit. Zuletzt gab es 1995 einen zehnwöchigen Streik bei Boeing, der sich deutlich in den Geschäftszahlen niederschlug.
Boeing-Manager Mulally warnte seine Angestellten entsprechend eindringlich vor einem Ausstand. "Für Boeing und alle Unternehmen, die enger mit Boeing zusammenarbeiten, wäre ein Streik verheerend", sagte er. In diesem Fall hätte man keine andere Möglichkeit, als die Produktion langsam zurückzufahren.
Mulally verwies auch auf den möglichen Profiteur einer solchen Situation. "Dann werden die Kunden möglicherweise zu Konkurrenten wie Airbus abwandern", erklärte der Spartenchef.
Die beiden Hersteller liefern sich seit Jahren einen harten Konkurrenzkampf auf dem Markt für Ziviljets. Airbus hat Boeing bei den Flugzeug-Auslieferungen erstmals im Jahr 2003 überholt. Auch 2004 produzierte die Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS mehr als der US-Rivale. Gemessen an den Bestellungen liegt Airbus sogar seit 2001 vor Boeing.