Arbeitskampf Ver.di verschärft Lufthansa-Streik in Berlin
Frankfurt am Main - An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld streiken immer mehr Lufthansa-Beschäftigte: Den Technikern schließen sich am Donnerstag auch Beschäftigte anderer Bereiche an, sagte eine Ver.di-Sprecherin. Am Vormittag ist eine große Kundgebung in Tegel geplant.
Am Mittwoch hatten rund hundert Lufthansa-Techniker in Berlin die Arbeit niedergelegt. Die Hallen seien leer geblieben, so die Sprecherin. In Tegel mussten deshalb drei Flüge nach München gestrichen werden, in Schönefeld gab es keine Ausfälle. Schwerpunkt des Streiks ist jedoch auch am vierten Tag Flughafen Frankfurt.
Passagiere müssen sich wegen des Streiks überall auf zunehmende Flugstreichungen einstellen. Die Lufthansa hat bereits einen Sonderflugplan für die nächsten fünf Tage vorgelegt. Die Zahl der Flüge im Europaverkehr einschließlich Deutschland wurde darin um rund zehn Prozent reduziert - hundert Flüge werden pro Tag gestrichen. Auf der Langstrecke sollen in den nächsten Tagen jeweils 28 Flüge ausfallen.
Die Gewerkschaft Ver.di will den Streik fortsetzen, bis die Lufthansa ein deutlich verbessertes Angebot signalisiert. Sie fordert knapp zehn Prozent mehr Geld für rund 50 000 Beschäftigte und begründet dies unter anderem mit den Rekordgewinnen des Unternehmens im vergangenen Jahr. Lufthansa hatte zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent mehr Lohn bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten.
Bisher beteiligten sich an den Streiks nach Ver.di-Angaben täglich rund 5000 Mitarbeiter.
Bereits am Mittwoch musste die Lufthansa 70 Kurzstreckenflüge und zwölf Flüge auf Langstrecken gestrichen. Damit waren laut der Fluggesellschaft insgesamt gut vier Prozent aller geplanten Flüge ausgefallen. Der Sonderflugplan diene nun dazu, den Passagieren Planungssicherheit zu geben. "Durch diese Vorsorgemaßnahme stabilisiert Lufthansa zusätzlich den Flugplan", hieß es.
Frachtverkehr leidet unter Streik
Der Ausstand beeinträchtigt auch zusehends den Frachtverkehr der Fluggesellschaft. Zwar startete nur eine der 19 Frachtmaschinen später als geplant. Allerdings wird rund die Hälfte des Frachtaufkommens von rund 1,8 Millionen Tonnen im Jahr über Linienmaschinen transportiert, von denen einige aufgrund des Streiks ausgefallen sind.
Die Fracht an Bord dieser Flugzeuge sei zum Teil auf frühere oder spätere Flüge umgeladen worden, sagte Lufthansa-Cargo-Sprecher Nils Haupt SPIEGEL ONLINE. Zum Teil werde die Ladung via Lkw transportiert.
Die Airline forderte Ver.di erneut dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Gewerkschaft verlangte von der Lufthansa jedoch erst ein neues Angebot. Bislang gebe es noch keines, sagte Ver.di-Verhandlungsführer Erhard Ott. Zudem kritisierte er, dass die Lufthansa ihre Forderung nach neuen Gesprächen nur über die Medien an den Ver.di-Vorstand richte. Die Gewerkschaft habe aber "weder schriftlich, per E-Mail noch über das Handy" ein neues Angebot bekommen.
Ver.di will auch für die Mitarbeiter in der Kabine verhandeln, hat dort aber deutlich weniger Mitglieder als die konkurrierende Unabhängige Flugbegleiter Organisation UFO. Diese Spezialgewerkschaft hat bereits angekündigt, im kommenden Jahr eine Tariferhöhung um 15 Prozent durchsetzen zu wollen. Sie beteiligt sich nicht am derzeitigen Arbeitskampf.
Es sei aber "sehr wahrscheinlich", dass 2009 ein Arbeitskampf nötig sei, sagte Joachim Müller, der Leiter von "Tarifpolitik und Recht" bei UFO, der "Frankfurter Rundschau".
cvk/AP/dpa/AFP/ddp