Arbeitslose 3,71 Millionen ohne Job
Hamburg - Die Arbeitslosenzahl sei im Vergleich zum September des vorigen Jahres um rund 30.000 auf 3,71 Millionen gestiegen, berichteten "Bild"-Zeitung und "Welt am Sonntag" unter Berufung auf interne Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeit. Lediglich gegenüber August 2001 sei damit ein Rückgang um rund 70.000 zu verzeichnen. Der sonst übliche Herbstaufschwung bleibe damit vollständig aus.
Intern gehe die Bundesanstalt davon aus, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt bei 3,85 Millionen liegen werde. Verglichen mit dem Jahresdurchschnitt 2000 sei dies ein Rückgang um nur knapp 50.000. Der wichtigste Grund für die Schwäche des Arbeitsmarktes sei die schwache Konjunktur, wegen der in diesem Jahr bisher erst 60.000 neue Stellen geschaffen worden seien. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt rund 600.000. Die offiziellen September-Zahlen will die Nürnberger Bundesanstalt am kommenden Dienstag vorlegen.
Der Einbruch am Arbeitsmarkt wird nach Überzeugung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung weit in das nächste Jahr hineinreichen. DIW-Chef Klaus Zimmermann rechnet für 2002 im Durchschnitt mit bis zu vier Millionen Menschen ohne Job. Auch das für das Frühjahr erwartete Anziehen der Konjunktur könne dem Arbeitsmarkt zunächst kaum helfen, sondern werde erst ab einem Wachstum von zwei Prozent und dann auch erst mit einem halben Jahr Verzögerung wirken, sagte Zimmermann. 3,5 Millionen Arbeitslose seien frühestens wieder 2004, womöglich aber auch erst 2004 zu erwarten.
Angesichts der bedrohlichen Entwicklung verlangte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt einschneidende Reformen: "Alle Welt empfiehlt uns, den Arbeitsmarkt zu deregulieren und die sozialen Sicherungssysteme zu reformieren." Jetzt sei der Zeitpunkt zum Handeln. Die nächsten Stufen der Steuerreform müssten vorgezogen und auf eine weitere Erhöhung der Ökosteuer solle verzichtet werden, sagte Hundt demselben Blatt. Die Reformen dürften auf keinen Fall auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben werden.
Trotz der sich weiter verschlechternden Lage am Arbeitsmarkt wollen die Gewerkschaften offenbar weiterhin mit massiven Lohnforderungen in die kommenden Tarifrunde gehen. Nur so könnten die Konsumnachfrage und die Konjunktur gestärkt werden, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer. Sie forderte die Regierung auf, zur Ankurbelung der Wirtschaft geplante Infrastrukturprogramme vorzuziehen.