Arbeitslosen-Statistik So trist wie nie
Nürnberg/Hamburg - Die Nürnberger Bundesagentur gibt die Arbeitslosenzahlen für Januar am Mittwoch bekannt. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Zahl der offiziell registrierten Jobsuchenden knapp unter fünf Millionen oder gar darüber liegen und damit einen neuen Negativ-Rekord erreichen wird. Der bisherige Höchststand war zu Jahresbeginn 1998 mit 4,82 Millionen Arbeitslosen verzeichnet worden. Damit werden die Zahlen aus der Nachkriegszeit übertroffen, als allerdings nur Westdeutschland in der Statistik berücksichtigt wurde.
Noch sind die Experten uneins, ob im Januar die Fünf-Millionen-Marke überschritten wurde. Volkswirte, die von der Nachrichtenagentur dpa befragt wurden, erwarten im Vergleich zum Vormonat einen Anstieg der Erwerbslosenzahl um 490.000 bis 540.000. Rund die Hälfte der Registrierten seien erstmals erfasste Sozialhilfeempfänger.
Bei dem Termin am Mittwoch - dem ersten seit Start der Hartz-IV-Reform - soll erstmals nach Empfängern des konventionellen Arbeitslosengeldes und des Arbeitslosengeldes II unterschieden werden. Mit der jüngsten Arbeitsmarktreform wurde die bisherige Arbeitslosenhilfe mit der Sozialhilfe zum so genannten ALG II verschmolzen.
Neben dem HypoVereinsbank-Volkswirt Andreas Rees hat auch Deutsche Bank-Analyst Stephan Bielmeier für Januar eine knappe Überschreitung der Fünf-Millionen-Marke errechnet. Rees geht - einschließlich des Hartz- IV-Effekts - von einem Anstieg der Erwerbslosenzahl um 540.000 auf 5,004 Millionen, Bielmeier bei einem Zuwachs von rund 530.000 auf fünf Millionen aus.
Zahlen-Kosmetik nicht ausgeschlossen
Dagegen erwarten die Fachleute der Commerzbank und der DZ-Bank bei Anstiegen zwischen 500.000 bis 525.000 eine Arbeitslosenzahl von 4,96 bis 4,98 Millionen. Es sei nicht auszuschließen, dass die Bundesagentur mit der verstärkten Bereitstellung so genannter Ein- Euro-Jobs versuchen werde, die Januar-Arbeitslosenzahl unter die Fünf- Millionen-Marke zu drücken, mutmaßten mehrere Fachleute.
Auch nach Informationen der "Bild" und "Welt" blieb die Januar-Arbeitslosigkeit mit 4,96 Millionen nur knapp unter der Fünf-Millionen-Marke. Dies wären rund 360.000 mehr als im Januar 2004. Allerdings habe die Bundesagentur alle 180 Arbeitsagenturen angewiesen, die Statistik über das kommende Wochenende noch einmal zu überprüfen, berichtet "Bild".
Unterdessen warnten die Fachleute vor einer Überbewertung des Rekordanstiegs. Ohne die erstmalige Erfassung der Arbeitslosengeld- II-Empfänger ist die Arbeitslosigkeit im Januar nach ihrer Berechnung lediglich um rund 260.000 Erwerbslose gestiegen. "Die Januar-Zahlen stellen daher keineswegs eine Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt dar, sondern sind nur ehrlicher", sagte DZ-Bank-Analyst Bernd Weidensteiner. "Schließlich waren die Leute auch vorher schon arbeitslos, auch wenn sie nicht als solche erfasst wurden."
Trotzdem sei der Anstieg der Arbeitslosenzahl auf knapp fünf Millionen ein negatives Signal für die Konsumfreude privater Haushalte, befürchtet Rees. "Das wird einen dämpfenden Effekt auf das Konsumklima haben". Auch bei Deutsche-Bank-Experte Bielmeier überwiegt die Skepsis: "Ganz unabhängig von der Frage, wie die aktuellen Zahlen einzuschätzen sind, geht der Abbau von Vollzeitarbeitsplätzen weiter." Dagegen hat sich bei Commerzbank-Vertreter Ralph Solveen der Eindruck verstärkt, "das sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt stabilisiert hat".