Arbeitslosenzahl Riester hofft, Gerster rechnet
Nürnberg - Den Rückgang im April um 132.000 auf 4,024 Millionen Arbeitslose führte Arbeitsminister Walter Riester (SPD) auf die konsequente Umsetzung des so genannten Job-Aktiv-Gesetzes zurück. Dadurch habe es viele Abmeldungen bei den Arbeitsämtern gegeben. Zugleich nehme bei älteren und schwerbehinderten Arbeitnehmern die Arbeitslosigkeit weiter stetig ab.
Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, räumte allerdings ein, dass sich dieser Effekt im Vergleich zum Vormonat deutlich abgeschwächt habe. Daneben habe es außergewöhnlich viele Abgänge aus Arbeitslosigkeit in den Wehr- und Zivildienst gegeben. Ohne diese Sonderfaktoren dürfte sich die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl nach Einschätzung der Bundesanstalt ähnlich stark erhöht haben wie im Durchschnitt der Monate September 2001 bis Februar 2002.
Die Abnahme der Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vormonat sei vor allem auf die übliche Frühjahrsbelebung zurückzuführen. Nach wie vor bestehe ein großes Ost-West-Gefälle. So sei der Beschäftigungsrückgang vor allem im Osten des Landes verzeichnet worden. Unternehmensinsolvenzen hätten hingegen nur eine geringe Bedeutung für Arbeitsplatzverluste.
Allerdings geht Gerster davon aus, dass die Belebung der Konjunktur noch nicht vollständig auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen ist. Eine konjunkturelle Erholung wirke sich üblicherweise etwa mit einer Verzögerung von zwei Quartalen aus. Mit einer deutlichen Entlastung des deutschen Arbeitsmarkts sei deshalb erst in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen.
Nach Ansicht des baden-württembergischen Sozialministers Friedhelm Repnik (CDU) geben die Zahlen dagegen keinerlei Anlass zum Jubeln. "Ein konjunktureller Aufschwung müsste mit der Frühjahrsbelebung einsetzen. Davon ist leider nichts zu spüren", sagte Repnik. Im Interesse der Arbeitslosen und der von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen mahne er die Tarifparteien zur Besonnenheit. "Eine lange Arbeitsniederlegung ginge vor allem zu ihren Lasten." Je länger der Streik dauere, desto stärker würde die Erholung auf dem Arbeitsmarkt gebremst.