Arbeitslosenzahl Unerwarteter Anstieg
Hamburg - Entgegen dem saisonalen Trend sei die Arbeitslosenzahl auf 3,954 Millionen gestiegen, berichtet "Bild" unter Berufung auf Daten der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit. Damit läge die Zahl der Erwerbslosen um 8.000 höher als noch im Mai.
In Westdeutschland registrierten die Arbeitsämter der Zeitung zufolge 2,560 Millionen Arbeitslose, in Ostdeutschland 1,394 Millionen. Die Gesamtzahl läge damit um 260.000 höher als im Juni 2001 und würde den höchsten Juni-Wert seit 1998 erreichen.
Die Bundesanstalt für Arbeit legt die offiziellen Zahlen am Dienstag in Nürnberg vor. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl gelegt. Nach einem unerwartet deutlichen Anstieg um rund 60.000 im Mai rechnen die Volkswirte der großen Banken im Schnitt mit einer weiteren Zunahme um 27.800. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl steigt seit Anfang 2000 monatlich an. Eine Trendwende erwarten Experten frühestens im Herbst, wenn die anziehende Konjunktur sich auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte bereits vorige Woche die Erwartung geäußert, "dass die Juni-Zahlen weniger optimistisch stimmen werden". Der beginnende Aufschwung habe sich auf dem Arbeitsmarkt noch nicht niedergeschlagen.
Bei der Bundestagswahl am 22. September dürfte sich die Arbeitslosenzahl um die vier Millionen herum bewegen. Im Juli wird auf Grund der Jahreszeit regelmäßig ein deutlicher Anstieg der unbereinigten Arbeitslosigkeit verzeichnet. Die August-Zahlen, die bei der Bundestagswahl aktuell sind, lagen in der Vergangenheit meist nur geringfügig unter den Juli-Zahlen.
Angesichts einer langsamen Konjunkturerholung rechnen Bankenvolkswirte erst im kommenden Jahr mit einer besseren Lage am Arbeitsmarkt. Das wohl relativ starke zweite Quartal dürfte sich mit einer Verzögerung von etwa einem halben Jahr in sinkenden Arbeitslosenzahlen niederschlagen, sagte Andreas Rees von der Hypovereinsbank. Allerdings sei auch 2003 nicht mit einer nachhaltig niedrigeren Arbeitslosigkeit zu rechnen, sofern sich die Rahmenbedingungen nicht deutlich änderten.