Arbeitslosenzahlen: Kurzarbeit rettet Arbeitslosenstatistik - DER SPIEGEL
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Arbeitslosenzahlen Kurzarbeit rettet Arbeitslosenstatistik

Die Wirtschaftskrise macht sich in der Statistik bemerkbar, die Zahl der Arbeitslosen ist den dritten Monat in Folge gestiegen. Trotzdem hält die Bundesagentur an ihrer Prognose für 2009 fest - denn die hohe Zahl der Kurzarbeiter federt den Abschwung vorerst ab.
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Nürnberg - Es sind keine schönen Zahlen, aber sie könnten schlimmer sein: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Februar aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise den dritten Monat in Folge gestiegen. Die Zahl der offiziell registrierten Arbeitslosen stieg gegenüber Januar um rund 63.000 auf 3,552 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Allerdings waren das immer noch 66.000 Menschen weniger als im Februar 2008. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich gegenüber dem Vormonat von 8,3 auf 8,5 Prozent.

Kurzarbeits-Ankündigung im Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen: Abwrackprämie und Konjunkturpaket haben Kurzarbeit vorerst gestoppt

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Foto: AP

Dass die Zahlen trotz all der Hiobsbotschaften der vergangenen Wochen und der anhaltenden Wirtschaftskrise nicht schlimmer ausgefallen sind, ist vor allem einem Instrument des Arbeitsmarkts zu verdanken: der Kurzarbeit. Sie hat die Entwicklung abgefedert. "Die schwierige Wirtschaftslage wirkt sich auch im Februar auf den Arbeitsmarkt aus", erläuterte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Die deutliche Zunahme der Kurzarbeit hielt den Anstieg allerdings in Grenzen.

BA rechnet mit weiterem Anstieg bei der Kurzarbeit

Denn tatsächlich rettet die Kurzarbeit die Arbeitslosen-Statistik: Wurde im Dezember 2008 noch für 270.800 Beschäftigte das Kurzarbeitergeld bezahlt, beantragten die Unternehmen im Februar nach Angaben von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker bereits für 620.000 bis 670.000 Mitarbeiter das konjunkturelle Kurzarbeitergeld. Der steile Anstieg innerhalb von nur drei Monaten zeigt, wie die Wirtschaftskrise mit mehrmonatiger Verzögerung auch den Arbeitsmarkt erreicht.

Auch für die nächsten Monate rechnet die BA mit einem weiteren Anstieg beim Kurzarbeitergeld. "Wir haben dazu genügend Mittel eingeplant und sind darauf vorbereit", sagte Weise. Auch seien 2500 zusätzliche Vermittler in den Arbeitsagenturen eingestellt worden.

Trotz der schlechten Vorhersagen von Forschungsinstituten hält die BA deshalb an ihrer Prognose von durchschnittlich 3,5 Millionen Arbeitslosen in diesem Jahr fest. "Es gibt noch keine Anzeichen dafür, dass die Unternehmen Entlassungen im großen Stil planten", sagte Becker.

Die Zahl der Kurzarbeiter ist sogar geringer ausgefallen als erwartet. Ihr vorausgegangen waren die monatlichen vorsorglichen Anzeigen über Kurzarbeit - die höher ausfielen. "Die Anzeige und die realisierte Kurzarbeit können sehr stark auseinanderfallen", stellte BA-Vorstandsmitglied Becker fest. Eine Erklärung dafür sei, dass sich der Pessimismus mancher Unternehmen bisher nicht bewahrheitet habe. "Opel hat Kurzarbeit beantragt im erheblichen Umfang", sagte Becker. "Durch Konjunkturpaket und Abwrackprämie findet die tatsächliche Kurzarbeit derzeit aber nicht so statt wie angezeigt."

Kurzarbeit wird vorsorglich angemeldet

Anderen Betrieben mag es ähnlich gehen. Die Ankündigung von Kurzarbeit ist bisweilen nur eine Vorkehrung, um den Beschäftigten den Anspruch auf Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent des ausfallenden Nettolohns zu sichern. Denn Kurzarbeitergeld wird frühestens von dem Monat an gezahlt, in dem die Anzeige eingegangen ist. So kann es sein, dass im Dezember Kurzarbeit angezeigt wird - aber erst im März tatsächlich Arbeitnehmer in die Zwangspause müssen.

Der Eindruck des Zahlenwirrwarrs bei der Kurzarbeit wird durch die Termine ihrer Bekanntgabe verstärkt. Die provisorischen Anzeigen werden zum Monatsende erfasst und von der BA veröffentlicht. Die tatsächliche Zahl der Kurzarbeit wird erst viel später bekannt. Erst nach Ablauf eines Quartals erstatten die Betriebe Meldung über die realisierte Kurzarbeit. Etwa acht Wochen nach Quartalsende legt die BA dann die Zahlen vor. So wurden nun die Kurzarbeiterzahlen für Oktober bis November bekanntgegeben. Über das erste Vierteljahr 2009 gibt es erst Ende Mai Aufschluss.

Arbeitslosendaten im Februar 2009

aktuell Vormonat Veränderungzum Vorjahr
Arbeitslose absolut 3.551.926 3.488.805 -1,8%
Arbeitslosenquote 8,5% 8,3% Vorjahr 8,6%
Arbeitslose im Westen 2.347.955 2.306.468 0,0%
Quote im Westen 7,0% 6,9% Vorjahr 7,0%
Arbeitslose im Osten 1.203.971 1.182.337 -5,2%
Quote im Osten 14,1% 13,9% Vorjahr 14,8%
Jüngere unter 25 389.200 360.142 +2,2%
Ältere über 55 499.824 493.117 +15,9%
offene Stellen 505.534 485.107 -10,6%

Unterschieden wird zudem zwischen Kurzarbeit aus konjunkturellen und aus jahreszeitlichen Gründen. Von Dezember bis Ende März können Betriebe des Baugewerbes in der Schlechtwetterzeit Saison-Kurzarbeit . Das waren im Dezember gut 60.000 Beschäftigte. Hinzu kommt noch das kaum ins Gewicht fallende Transferkurzarbeitergeld zur Vermeidung von Entlassungen bei Betriebsänderungen. Insgesamt gab es daher im Dezember 270.500 Bezieher von Kurzarbeitergeld. Die Kurzarbeit verringert den Anstieg der Arbeitslosenzahl.

Die 201.000 Kurzarbeiter aus wirtschaftlichen Gründen im Dezember arbeiteten im Durchschnitt ein Drittel weniger. Der Arbeitsausfall entsprach etwa 66.000 Vollzeitarbeitskräften - die ohne Kurzarbeit möglicherweise arbeitslos geworden wären.

Der Kurzarbeiter-Höchststand wurde im März 1993 mit gut 1,3 Millionen verzeichnet - wenn man die aus der Wiedervereinigung resultierenden Zahlen von über zwei Millionen Kurzarbeitern 1991 außer Acht lässt. Experten erwarten derzeit nicht, dass dieser Rekord eingestellt wird. Die vorsorglichen Anzeigen für Kurzarbeit schnellen allerdings nach oben. Eine Hochrechnung der BA geht für Februar laut Becker von 620.000 bis 670.000 neuen Anzeigen aus. Das wären doppelt so viele wie im Januar - und seit Oktober hätten über 16.000 Betriebe für etwa 1,4 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit aus wirtschaftlichen Gründen angekündigt.

sam/Reuters/dpa/AP