Arbeitslosigkeit Bundesregierung will Statistik ändern
Berlin - "Wir werden die Statistik ergänzen um diejenigen, die nachweisbar keine Vermittlung wollen", sagte der Parlamentarische Staatssekretärs im Arbeitsministerium, Gerd Andres (SPD) am Samstag. Die Neuerung soll schon in den nächsten drei Monaten greifen. Die Statistik soll damit aussagekräftiger werden. "Wir wollen eine Klarstellung" betonte Andres.
Dabei werde die bisherige Globalzahl, die alle arbeitslos gemeldeten Menschen erfasst, auch künftig ausgewiesen. Sie werde allerdings um den "bereinigten Wert" ergänzt. Andres verwies auf eine Infas-Umfrage im Auftrag der BA, wonach 28 Prozent aller arbeitslos Gemeldeten gar nicht ernsthaft nach Arbeit suchen.
Viele Menschen meldeten sich zum Beispiel nur arbeitslos, um Renten- oder Kindergeldansprüche aufrecht zu erhalten. Es gelte, die aktuelle Aufbruchstimmung in der Arbeitsverwaltung zu nutzen, sagte Andres "Hier gibt es die Chance für einen Neuanfang."
Riester: 1,2 Millionen betroffen
Auch Arbeitsminister Walter Riester (SPD) bezeichnete die
Bereinigung der Arbeitslosenstatistik als notwendig. Bei
der bisherigen Berechnung würden etwa 1,2 Millionen Menschen
berücksichtigt, die aus verständlichen Gründen gar kein Interesse an
einer Vermittlung hätten, sagte Riester am Samstag in Rostock. Dabei
handele es sich beispielsweise auch um Menschen, die bereits zum Zeitpunkt der
Arbeitslosmeldung eine Stelle sicher hätten, diese aber erst einige
Wochen später antreten könnten.
CDU: "Dreister Betrugsversuch"
Der CDU-Sozialpolitiker Andreas Storm kritisierte den Plan: "Hier
wird offenbar ein dreister Betrugsversuch geplant, um das Versagen
der rot-grünen Arbeitsmarktpolitik zu kaschieren." Dies sei "völlig
inakzeptabel".
Bereits im vergangenen Jahr hatte Bundesarbeitsminister Walter
Riester (SPD) mit Unterstützung von Bundeskanzlers Gerhard Schröder
(SPD) einen Vorstoß zur Ergänzung der Arbeitslosenstatistik
angekündigt. Er wies schon damals den Vorwurf zurück, durch die
gesonderte Erfassung von älteren Erwerbslosen und
Kurzzeitarbeitslosen solle die Statistik "nach unten manipuliert"
werden. "Mit mir wird es weder ein Schönen noch eine Manipulation von
Statistiken geben", sagte er Ende Mai vergangenen Jahres im
Bundestag. Nach massiver Kritik aus den Reihen der Opposition und
angesichts mangelnder Unterstützung bei der SPD hatte der Minister
dann den Plan aber wieder fallen lassen.
Einen ähnlichen Eingriff in die
Arbeitslosenstatistik gab es zuletzt während der christlich-liberalen
Bundesregierung. Seinerzeit wurden alle Teilnehmer von
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Qualifizierungskursen aus der
Statistik entfernt. Die damals oppositionelle SPD rügte dieses
Vorgehen als unzulässige Schönfärberei.