Arbeitslosigkeit "Tiefes Tal der Tränen"
Berlin - "Wir durchlaufen ein tiefes Tal der Tränen", sagte Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Es sei zu erwarten, dass die Zahl der Arbeitslosen 2002 im Durchschnitt deutlich über vier Millionen liegen werde. Das DIW rechnete in seiner am Dienstag in Berlin veröffentlichten Prognose mit 4,04 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2002. Die Arbeitslosenquote werde 9,5 Prozent betragen. Das DIW geht damit von rund 150.000 Arbeitslosen mehr aus als die Bundesregierung, die für 2002 mit rund 3,89 Millionen Menschen ohne Beschäftigung rechnet.
Im Dezember stieg die Zahl der Arbeitslosen nach einem Vorabbericht der "Bild"-Zeitung unbereinigt auf 3,964 Millionen. Dies entspreche einem Anstieg um 155.000 im Vergleich zum Vorjahresmonat und um 175.000 im Vergleich zum November 2001, berichtete das Blatt unter Berufung auf Daten der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg.
Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" wird Finanzminister Hans Eichel (SPD) die Annahme von 3,89 Millionen Arbeitslosen im Durchschnitt 2002 im Jahreswirtschaftsbericht Ende Januar nach oben korrigieren. Sein Ministerium dementierte dies nicht, bezeichnete den Bericht aber als Spekulation.
Die Zahl der Arbeitslosen sinkt in Deutschland nach allgemeiner Einschätzung erst bei einem Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent. Diese Beschäftigungsschwelle wird nach Einschätzung von DIW-Konjunkturexperte Gustav Horn auch längerfristig nicht überschritten.
Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburger Weltwirtschaftsarchivs (HWWA), sagte, Deutschland leide unter einer permanenten Wachstumsschwäche. In diesem Jahr werde das Wachstum nicht über 0,7 Prozent hinauskommen. Die Hoffnung auf mehr Wachstum gründe sich alleine darauf, dass die amerikanische Konjunktur wieder an Fahrt gewinne.