Arbeitsmarkt 4,65 Millionen Arbeitslose im September
Nürnberg/Berlin - Heute Morgen noch hatte sich Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ungleich optimistischer ausgedrückt. "Es sind jetzt knapp unter 150.000 gemessen am letzten Monat", sagte er im ZDF-Morgenmagazin. Allerdings kämen bei der letztendlichen Arbeitslosenzahl noch "komplizierte Geschichten" hinzu, die er nicht erläutern wolle. "Es wird so weiter gehen", sagte Clement und äußerte damit die Hoffnung auf weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt.
Die "komplizierten Geschichten" sind die Änderungen in der Statistik: Erstmals seit dem Start der Hartz-IV-Reformen seien die Arbeitslosen in Deutschland wieder vollständig erfasst, erklärte die Bundesagentur für Arbeit (BA). Nach der neuen Rechnung sank die Zahl der Erwerbslosen im September lediglich um 78.000 auf rund 4,65 Millionen. Ohne diesen statistischen Effekt wäre ihre Zahl, wie Clement sagt, um rund 150.000 gesunken.
In den vergangenen Monaten hatten Landkreise und Kommunen, die Erwerbslose im Rahmen einer Sonderregelung in Eigenregie betreuen, der BA nur unvollständige Daten geliefert. Inzwischen lägen aber von 39 der 69 sogenannten Optionskommunen plausible Arbeitslosenzahlen vor. Die restlichen Daten könnten zuverlässig geschätzt werden.
Als Gründe für den etwas stärkeren Rückgang der Erwerbslosen führen Banken-Volkswirte neben dem Ende der Urlaubssaison auch Auswirkungen der Hartz-IV-Reform an. So habe die Zahl der Ich-AGs und der Ein-Euro-Jobs zugenommen.
Zudem zeigten sich auf dem Arbeitsmarkt erste Lichtblicke, meinte HypoVereinsbank-Volkswirt Andreas Rees. "Das Tempo, mit dem Arbeitsplätze abgebaut werden, hat sich merklich verlangsamt", stellte er fest. Frühindikatoren, wie die Zahl der offenen Stellen, wiesen für die Zukunft auf eine leichte Besserung der Lage hin. Auch die Bereitschaft der Unternehmen, Mitarbeiter einzustellen, habe wieder zugenommen.
Im August waren nach Angaben der BA 4,728 Millionen Menschen arbeitslos; dies waren auf Grund der im Spätsommer üblichen Saisonbelebung 44.000 weniger als im Juli. Die Arbeitslosenquote war im August um 0,1 Prozentpunkte auf 11,4 Prozent gesunken. Allerdings war in dieser Zahl noch nicht die Arbeitslosigkeit in den sogenannten Optionskommunen enthalten.