Arbeitsmarkt Böhmer spricht sich für Mindestlohn aus
Köln - Er wünsche sich, dass die Untergrenze zwischen den Tarifparteien festgelegt werde, und nicht vom Gesetzgeber, sagte Böhmer im Interview der Woche des Deutschlandfunks. Grundsätzlich seien Mindestlöhne eine logische Folge des Kombilohn-Modells, das er für notwendig halte. "Wir brauchen zwischen dem geschützten Arbeitsmarkt, den das Sozialrecht kennt, und dem freien Arbeitsmarkt, der tarifreguliert ist, einen gestützten Arbeitsmarkt, so eine Art Übergang für diejenigen, die auf Grund ihrer natürlichen Voraussetzungen nicht mehr geeignet sind, diese hoch komplizierten Arbeitsplätze der modernen Wirtschaft ausfüllen zu können."
In der Großen Koalition wird derzeit über die geplante Einführung gesetzlich geregelter Mindestlöhne gestritten. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) lehnt neben anderen Unionspolitikern eine solche Regelung anders als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) ab. Die Kritiker des Mindestlohns fürchten, dass Arbeitslose mit geringer Qualifikation dann überhaupt keine Chance mehr am Arbeitsmarkt hätten.
Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) würde die Einführung eines Mindestlohns die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt jedoch eher verschlimmern. "Ein Mindestlohn würde all diejenigen Arbeitskräfte aus dem Markt drängen, die wegen ihrer schlechten Qualifikation nur unterhalb einer solchen Bezahlung Arbeit finden", sagte der IfW-Konjunkturexperte Joachim Scheide in einem Gespräch mit der dpa.
Der britische Mindestlohn sei nicht ohne weiteres übertragbar, sagte Scheide: "Der Arbeitsmarkt in Großbritannien ist mit Deutschland gar nicht zu vergleichen, weil es dort kein Tarifkartell gibt." Zudem sei die Arbeitslosenquote bei den Briten ebenso wie in den USA deutlich niedriger als in Deutschland.
mik/dpa/ap