Arbeitsmarkt: Experten befürchten Ende des Job-Booms - DER SPIEGEL
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Arbeitsmarkt Experten befürchten Ende des Job-Booms

Die Bilanz von Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise für das Jahr 2007 wird so rosig ausfallen wie lange nicht mehr. Doch Experten warnen bereits: Die Stimmung könnte kippen – spätestens in der zweiten Jahreshälfte.
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München – Der Erfolg lässt sich in Zahlen fassen: Mit durchschnittlich 3,8 Millionen lag die Zahl der Arbeitslosen um mehr als 300.000 niedriger als selbst die optimistischen Arbeitsmarktexperten vorausgesagt hatten. Hinzu kommt, dass in Deutschland erstmals mehr als 40 Millionen Erwerbstätige gezählt wurden. Kein Zweifel: Frank-Jürgen Weise steht ein sehr angenehmer Bilanztermin ins Haus.

Auch für 2008 wird der BA-Chef ein optimistisches Bild zeichnen. Das zur Bundesagentur gehörende Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet trotz der nachlassenden Dynamik beim Wirtschaftswachstum für das Jahr 2008 einen erneut starken Rückgang der durchschnittlichen Arbeitslosenzahl um 360.000 auf 3,44 Millionen. An dieser aus dem August stammenden optimistischen Prognose halte das Institut fest, sagt IAB-Arbeitsmarktexpertin Sabine Klinger.

Allerdings räumt sie ein, dass es inzwischen einige Unsicherheiten gibt - wie eben die Inflation und die schwächelnde Konjunktur, die von der internationalen Finanzmarktkrise in Mitleidenschaft gezogen wird. So gingen die Forscher im Sommer noch von zweieinhalb Prozent Wirtschaftswachstum aus, die Bundesregierung dagegen inzwischen von gerade mal zwei Prozent - und die Prognose dürfte noch einmal revidiert werden.

So schlimm wie 2000 kommt es wohl nicht

Dennoch dürfte der Optimismus zunächst begründet sein. Denn der Arbeitsmarkt reagiert erst etwa ein halbes Jahr später auf wirtschaftliche Entwicklungen. Angesichts des bis heute stabilen Aufschwungs gibt es also für das erste Halbjahr eigentlich keinen Grund zur Sorge. Je weiter das Jahr fortschreitet, desto größer werden aber die Unsicherheiten.

Dass es so schlimm kommt, wie Anfang 2000, als nach dem Platzen der Internetblase an den Aktienmärkten das Wirtschaftswachstum in Deutschland zum Erliegen kam, steht indes nicht zu befürchten. "Damals hat sich die Zahl der Arbeitslosen nur durch die starke Konjunktur verringert, heute sinkt sie auch aus strukturellen Gründen", erläutert Klinger und verweist dabei gleich auf mehrere volkswirtschaftliche Analysen.

Es gebe die Hoffnung, dass sich der nächste Abschwung nicht wie in der Schröder-Ära direkt zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahl führe, sagt Klinger. So sei damals in großem Maße geringfügige Beschäftigung entstanden. Heute dagegen gebe es auch viele neue sozialversicherungspflichtige Jobs.

Dass eine Arbeitslosenzahl von fünf Millionen wohl dauerhaft der Vergangenheit angehören wird, liegt auch am Fortschreiten der demographischen Entwicklung: Im kommenden Jahr werden im Schnitt 65.000 Menschen weniger auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland aktiv sein, weil auch Zuwanderung die steigende Zahl der in die Rente wechselnden Arbeiter und Angestellten nicht ausgleichen kann.

Während für die breite Masse der Arbeitsmarkt damit krisenfester ist als in vergangenen Jahren, gibt es allerdings weiterhin eine große Gruppe von Verlierern: Die Geringqualifizierten werden beim Eintreten eines Abschwungs als erste wieder ihre Jobs verlieren, sagt Klinger. Einziger Trost: Momentan ist dieser Tag noch nicht in Sicht.

Ralf Isermann, AFP

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