Arbeitsmarkt: Experten warnen vor Entlassungswelle - DER SPIEGEL
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Arbeitsmarkt Experten warnen vor Entlassungswelle

Die Schonzeit für die Arbeitnehmer geht zu Ende: Die Fristen für Kurzarbeit laufen ab. Im Juli hat die Krise voll auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen - das ergab eine Umfrage bei den Volkswirten führender deutscher Großbanken.
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Nürnberg - Die Krise schwappt auf den Arbeitsmarkt über - das berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. In vielen Unternehmen sind die Fristen für Kurzarbeit abgelaufen. Weil sich die Wirtschaftslage noch nicht merklich verbessert hat, kommt es bei den Unternehmen zum personellen Aderlass.

Berechnungen der Volkswirte zufolge waren im zu Ende gehenden Monat 3,52 Millionen Männer und Frauen arbeitslos. Dies wären rund 110.000 mehr als im Juni; im Durchschnitt der vergangenen drei Boom-Jahre hatte die Zahl der Jobsucher von Juni auf Juli lediglich um 21.000 zugenommen. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit am 30. Juli bekanntgeben.

Das aktuelle Ausmaß der Krise verdeutlicht nach Ansicht der Bankenexperten auch der Vergleich mit der Arbeitsmarktlage vor einem Jahr: Damals hatte die Zahl der amtlich registrierten Erwerbslosen noch um rund 310.000 niedriger gelegen. Auch bereinigt um saisonale Sondereffekte sehen die Experten in diesem Juli eine Zunahme der Erwerbstätigen zwischen 50.000 und 55.000. "Die Krise, die bisher durch Kurzarbeit abgefedert wurde, beginnt allmählich auf den Arbeitsmarkt überzuschwappen", beschreibt Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld die aktuelle Lage.

Diese Einschätzung teilt auch der DZ-Bank-Analyst Glenn Marci: "Die globale wirtschaftliche Lage hat sich im Juli nur leicht gebessert. Ich glaube nicht, dass die Unternehmen diese Krise weiterhin mit Kurzarbeit aussitzen können. Viele Unternehmen werden um Entlassungen nicht herumkommen", schätzt er. Da sich die Wirtschaftskrise immer erst nach zwei bis drei Quartalen auf den Arbeitsmarkt auswirke, rechne er für Herbst und Winter mit einer weiteren Verschlechterung der Lage. Daran werde auch die langsame Erholung der Wirtschaft vorerst nichts ändern.

Im Juni war die Zahl der Arbeitslosen laut Bundesagentur für Arbeit (BA) um 48.000 auf 3,4 Millionen gesunken. Damit waren 250.000 Menschen mehr arbeitslos als vor einem Jahr, hatte die Bundesagentur für Arbeit im Vormonat berichtet. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,1 Punkte auf 8,1 Prozent ab. Vor einem Jahr hatte sie bei 7,5 Prozent gelegen.

Nach Einschätzung von BA-Chef Frank-Jürgen Weise hatte im Juni die wirtschaftliche Rezession die Frühjahrsbelebung überlagert. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sei daher im Juni geringer ausgefallen als in den vergangenen Jahren. Die starke Nutzung der Kurzarbeit habe jedoch die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt gedämpft, sagte Weise. Allein im Mai war zuletzt für 292.000 Menschen Kurzarbeit angemeldet worden.

cha/dpa