Arbeitsmarkt: Firmen wollen weiter Jobs schaffen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Arbeitsmarkt Firmen wollen weiter Jobs schaffen

Positive Aussichten: Laut einer Umfrage wollen deutsche Firmen weiter kräftig investieren und größtenteils sogar neue Jobs schaffen. Auch die Zahl der Insolvenzen ging zurück - trotz Rezessionsängsten und Börsen-Turbulenzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf - Die deutschen Unternehmen zeigen sich von der Krise auf den Finanzmärkten und der drohenden Rezession in den USA weitgehend unbeeindruckt. Sie wollen mehrheitlich ihre Investitionen erhöhen, neue Jobs schaffen oder die Zahl der Mitarbeiter zumindest konstant halten. Das ergab eine Umfrage unter knapp 800 Managern, die das Psephos-Institut im Auftrag des "Handelsblatts" und der Unternehmensberatung Droege & Comp durchführte.

Positive Signale gibt es vor allem für den Arbeitsmarkt. Gut 36 Prozent der Firmen planen nach eigenen Angaben, zusätzliche Jobs zu schaffen. Bei den Großunternehmen haben sogar 48 Prozent vor, weitere Mitarbeiter einzustellen. Im Vergleich zum Sommer 2007 ist die Bereitschaft, neue Mitarbeiter einzustellen, allerdings etwas zurück gegangen: Damals hatten noch 41 Prozent aller Firmen geplant, neue Jobs zu schaffen.

Zwischen den Branchen unterscheidet sich der Bedarf an Mitarbeitern deutlich: Am größten ist er in der Metallerzeugung und im Maschinen- und Fahrzeugbau - dort wollen 45 Prozent der Unternehmen neue Jobs schaffen. Im Baugewerbe sind es dagegen nur 19 Prozent.

Insgesamt rechnet die Baubranche sogar mit einem Rückgang der Arbeitsplätze. Aufgrund einer stagnierenden Umsatzentwicklung werde die Zahl der Beschäftigten 2008 voraussichtlich um 7000 auf rund 707.000 Personen zurückgehen, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Hans-Hartwig Loewenstein.

Generell ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt zurzeit positiv. Der milde Winter und die gute Konjunktur ließen die Arbeitslosigkeit im Januar weniger steigen als erwartet. Im Januar nahm sie um 253.000 auf 3,659 Millionen zu. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,6 Prozentpunkte auf 8,7 Prozent.

Weniger Insolvenzen

Die Investitionslust der Unternehmen haben die aktuellen Rezessionsängste offenbar kaum gebremst. Etwa 90 Prozent der Befragten gaben an, in den kommenden zwölf Monaten mehr oder gleich viel investieren zu wollen. Ein gutes Drittel will seine Investitionen sogar erhöhen. Besonders ausgeprägt sind die Investitionspläne laut Umfrage bei Handel, Nachrichtenübermittlung und Verkehr. Hier gaben 46 Prozent der Befragten an, sie wollten in den kommenden Monaten mehr Geld für Investitionen ausgeben.

Durch den konjunkturellen Aufschwung hat die Zahl der Unternehmenspleiten 2007 weiter abgenommen. Insgesamt hätten 27.500 Betriebe einen Insolvenzantrag gestellt, teilte die Neusser Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung mit. Das waren 10,4 Prozent weniger als 2006. Die Zahl der Privatinsolvenzen habe allerdings weiter zugenommen: Im Jahresverlauf erhöhte sie sich um 12,3 Prozent auf knapp 140.000 Fälle.

Überraschend positiv beurteilen die Manager den Standort Deutschland. Gut 80 Prozent der von Droege & Comp Befragten beurteilen die Bedingungen für die Wirtschaft hierzulande für "gut" (17 Prozent) oder "eher gut" (63 Prozent).

ssu/AP/dpa/ddp

Verwandte Artikel