Arbeitsmarkt Forscher sieht Mindestlohn bei sechs Euro
Berlin - Die Einführung eines Mindestlohnes werde für Arbeitslose mit geringer Qualifikation noch schwieriger machen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sagte der Vize-Direktor des IAB, Ulrich Walwei, der "Berliner Zeitung". "Ein Mindestlohn erschwert ohne Frage neue Einstellungen und befördert Entlassungen." Daher sei es wesentlich, den Mindestlohn nicht zu hoch anzusetzen.
Das IAB, das zur Nürnberger Bundesagentur für Arbeit gehört, hält daher einen Brutto-Stundenlohn von rund sechs Euro für realistisch. Dieser liege am unteren Rand der Spanne üblicher Mindestlöhne im europäischen Ausland, erklärte Walwei der Zeitung. Der IAB-Experte betonte zugleich, er halte einen zeitlich befristeten Mindestlohn für einzelne Sektoren für möglich.
Walwei: Nicht für die gesamte Wirtschaft
Bei einer Ausweitung des Entsendegesetzes auf weitere Branchen könne es sich aber nur um eine Übergangsregelung für einen Zeitraum von einigen Jahren handeln. Mit diesem könne in einer Übergangsphase der starke Druck auf die Löhne in Deutschland unter anderem durch die EU-Osterweiterung abgemildert werden.
Einen gesetzlichen Mindestlohn für die gesamte Wirtschaft lehnt das IAB indes strikt ab. Zudem müsse man bei der Auswahl der Branchen behutsam vorgehen, um schädliche Eingriffe in den Wettbewerb zu vermeiden, erklärte Walwei. Eine solche Mindestlohn-Regelung könnte nicht zuletzt bei den Minijobs zu viele Arbeitsplätze gefährden. Eine langfristige Ausweitung des Entsendegesetzes hätte negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. "Vor allem die Geringqualifizierten würden unter einer solchen Regelung leiden", sagte er.