Arbeitsmarkt New York: Terror trifft die Schwächsten - DER SPIEGEL
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Arbeitsmarkt New York Terror trifft die Schwächsten

Die Terrorattacken auf das World Trade Center galten eigentlich der Finanzelite. Getroffen haben sie aber vor allem die New Yorker Kleinverdiener.
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New York - Kim Daily hatte sich hochgearbeitet. Im World Trade Center Mariott fing sie für sechs Dollar die Stunde an und schaffte es vor dem Desaster auf einen Stundenlohn von 15 Dollar. Damit kam sie im Jahr auf rund 25.000 Dollar - genug, um sich und ihre beiden Kinder allein zu versorgen.

Mit dem Zusammenbruch des World Trade Centers verlor sie ihren Job, Anspruch auf Arbeitslosenhilfe hat sie nicht. Eine neue Anstellung zu finden, ist für Daily fast unmöglich. In der Schlange vor der größten New Yorker Jobbörse schaffte sie es nicht einmal zur Tür, Stellen im Hotelgewerbe gibt es derzeit ohnehin fast keine.

Kleinverdiener sind von den ökonomischen Folgen des Bombenterrors besonders betroffen. Bis zum Ende des Jahres werden im Bundestaat New York rund 80.000 Menschen ihren Job verloren haben, schätzt das Fiscal Policy Institute (FPI). 60 Prozent der neuen Arbeitslosen waren zuvor in der Einkommensklasse von 23.000 Dollar pro Jahr, also weit unter dem New Yorker Durchschnitt von 58.000 Dollar.

"Handel und Dienstleistungen in New York City wurden sehr hart getroffen", sagte FPI-Chefökonom James Parrott der "New York Times". "Und dabei vor allem die Geringverdiener".

Eine Studie des New Yorker Arbeitsamtes bestätigt diese Einschätzung. Hier wurden die Daten von rund 22.000 Arbeitslosen betrachtet. 16 Prozent davon arbeiteten in Bars und Restaurants, 14 Prozent in Hotels, fünf Prozent bei Luftfahrtunternehmen. Nur vier Prozent der neuen Arbeitslosen kamen aus dem Finanzsektor.

Wer nicht mehrere Qualifikationen vorweisen kann, hat es in der momentanen Jobkrise besonders schwer. So berichtet beispielsweise die "New York Times", dass nach dem 11. September in Chinatown jede zehnte Näherei schließen musste. Rund 1000 Mitarbeiter stehen damit auf der Straße. Nur die wenigsten von ihnen können auf andere Jobs ausweichen, da sie nichts anderes gelernt haben.

Die Misere der kleinen Leute passt nach Ansicht einiger Betroffenen nicht zu den großen Tönen von Solidarität und Patriotismus in der Stadt. "Niemand will die Geschichte von einem Tellerwäscher hören, der mit 250 Dollar pro Woche in den Bronx oder in Brooklyn drei Kinder großziehen muss", sagt Asmat M. Ali, ein Mitarbeiter des Schulprojekts "Windows on the World", dessen Büros im 106. Stock des World Trade Centers waren. "Zu 80 Prozent fielen die Mitarbeiter im World Trade Center aber genau in diese Kategorie."