Arbeitsmarkt: Privat-Vermittler missbrauchen Prämiensystem - DER SPIEGEL
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Arbeitsmarkt Privat-Vermittler missbrauchen Prämiensystem

Private Arbeitsvermittler missbrauchen nach Angaben der Arbeitsagenturen das System der Vermittlungsgutscheine. Demnach vergeben die Firmen vor allem Jobs, die von möglichst kurzer Dauer sind - so können sie häufiger Erfolgsprämien kassieren.
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Halle - Die Vorwürfe beziehen sich derzeit vor allem auf die neuen Bundesländer. "Es gibt Missbrauch in der Branche", klagte eine Sprecherin der Arbeitsagentur für Sachsen-Anhalt und Thüringen gegenüber der "Mitteldeutschen Zeitung". Auch Unternehmen aus der Branche räumten ein, dass es schwarze Schafe gebe, so das Blatt weiter: Diese Vermittler würden bewusst Arbeitsverhältnisse vermitteln, die von kurzer Dauer sind, um öfter eine Erfolgsprämie zu kassieren.

Ob es sich um einzelne "schwarze Schafe" handelt oder schon um systematischen Missbrauch - das ist freilich Interpretationssache. Die "Mitteldeutsche" beruft sich auf einen Bericht des Bundesrechnungshofes, über den auch das MDR-Magazin "Umschau" berichten wird. Demnach gebe es in knapp einem Drittel der Vermittlungsfälle "entweder Nachweise oder zumindest Anhaltspunkte für eine missbräuchliche Inanspruchnahme oder für Mitnahmeeffekte".

Quer durch die Republik "vermittelt"

Die vermittelten Arbeitsverhältnisse hätten fast nie Bestand, rügten die Prüfer laut Bericht. Nach der derzeitigen Regelung haben Arbeitssuchende nach sechs Wochen Arbeitslosigkeit Anspruch auf einen Vermittlungsgutschein. Gelingt es dem privaten Vermittler, den Bewerber in Arbeit zu bringen, erhält er bereits nach sechs Wochen 1000 Euro Prämie. Weitere 1000 Euro werden gezahlt, wenn der Betreffende nach sechs Monaten noch in dem Arbeitsverhältnis beschäftigt ist. So lange wollen viele Vermittler aber offenbar nicht abwarten. Um den Missbrauch einzudämmen, müssten private Vermittler seit dem 1. Januar zumindest einen Gewerbeschein vorweisen, sagte die Agentursprecherin.

Laut Bericht sprechen auch große Zeitarbeitsfirmen von unseriösen Praktiken - bei kleineren Konkurrenten. So sagte eine Niederlassungsleiterin der Personalvermittlung Manpower, einige Job-Vermittler würden Langzeitarbeitslose auf Arbeiten in andere Bundesländer vermitteln und quer durchs Bundesgebiet schicken. Es sei aber auf Grund ihrer persönlichen Lebensverhältnisse in den meisten dieser Fälle klar, dass die frisch Vermittelten nach nur wenigen Wochen aufgeben würden.

Dagegen berichte die Bundesvereinigung der privaten Arbeitsvermittler laut "MZ" von Erfolgen: So sei es allein im vergangenen Jahr gelungen, über die Vermittlungsscheine 54.000 Arbeitssuchende auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln, 53 Prozent mehr als noch 2003. Die Arbeitsagenturen weisen darauf hin, dass weniger als zehn Prozent der ausgegebenen Vermittlungsgutscheine überhaupt eingelöst würden.